Wo Ideen wachsen
Über 15 Jahre lang war das Grundstück Marktstraße 24 eingezäunt, eine Lücke im Herzen der Innenstadt. Jetzt öffnet es sich: Als „Orangerie Marktstraße“ entsteht hier auf Zeit ein Ort zum Verweilen, Begegnen und Mitmachen, ohne Konsumzwang und für alle Generationen.
Der Name ist Programm. Orangerien waren einst Gewächshäuser für exotische Pflanzen. In der Rüsselsheimer Orangerie wachsen keine Zitrusfrüchte, sondern Ideen für die Stadt von morgen. Die Farbe Orange verbindet die einzelnen Bausteine und steht für Sichtbarkeit, Gemeinschaft und Zuversicht.
Was Sie auf dem Platz erwartet
- Grün und Schatten: mobile Pflanzkübel mit klimaresilienten Bäumen und Stauden, die den Platz gliedern und an heißen Tagen Schatten spenden
- Sitzgelegenheiten: Bänke und Sitzkisten zum Ausruhen, Ratschen und Pausemachen
- Bühne: eine Aktionsplattform für Musik, Lesungen, Theater und spontane Auftritte
- Kunst: Wandbilder, die im Rahmen des Bel R! Festivals entstanden sind, und die Rüsselfanten, kleine Elefantenfiguren, die zum Anfassen und Draufsetzen einladen
- Kunst zum Nachdenken: die Installation „Opferfahrt“
Die Grundausstattung des Platzes wurde von der gewobau Rüsselsheim als Eigentümerin des Grundstücks finanziert. Die Stadt Rüsselsheim am Main hat die Fläche bis zur späteren Bebauung gepachtet.
Mitmachen erwünscht
Die Orangerie ist keine fertige Anlage, sondern ein Ort zum Mitgestalten: Hier wird ausprobiert, wie öffentlicher Raum in einer klimaangepassten, gemeinwohlorientierten Innenstadt aussehen kann. Deshalb gestalten Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Schulen, Kulturschaffende, Gewerbetreibende und die Nachbarschaft den Platz mit. Gemeinsam entscheiden wir, was als Nächstes dazukommt, etwa Tische und Bänke, zusätzliche Kübel, mobile Hochbeete, Kunstobjekte oder Schattenspender.
Sie haben eine Idee für den Platz? Wir freuen uns darauf!
Warum steht hier ein Autowrack?
Wer die Orangerie besucht, entdeckt zwischen Pflanzkübeln und Wandbildern ein ausgedientes Auto, gefüllt mit Erde und bepflanzt. Dass es Fragen aufwirft, ist gewollt. Hier die Erklärung:
Das Fahrzeug gehört zur Installation „Opferfahrt“ des Künstler-Duos Florian Schongar und Ella Tymko. Sie entstand am 28. August 2026 im Rahmen des Taube Minze Festivals der dieTaube_galerie. Ausgangspunkt war ein nicht mehr fahrtüchtiger Mercedes. In einer Prozession, halb Demonstration, halb Ritual, wurde er vom Gelände des Opel Altwerks durch die Innenstadt zur Galerie gebracht. Das Publikum konnte dabei zuschauen und teilweise mitmachen.
Rüsselsheim ist seit Generationen von der Automobilindustrie geprägt. Die Kunstinstallation erinnert an diese Stadt- und Firmengeschichte, die bis heute für viele die Identität Rüsselsheims ausmacht. Mit dem ausrangierten Automodell wurde zugleich ein Objekt auf den Platz gestellt, dass in keinem Museum zur Industriegeschichte Platz finden würde. Sein Zustand ist auf den ersten Blick überraschend und für manche auch wenig einladend. Damit steht die Installation für eine Zeit, die sich verändert. In der Performance wurde das Auto mit Erde, Kohle und Stärke, mit Motorengeräuschen und Glockenklang symbolisch verabschiedet. Am Ende stand die Verwandlung: In den Wagen wurde ein Apfelbaum gepflanzt. Aus dem Sinnbild industrieller Mobilität wird ein Pflanzgefäß, aus dem etwas Neues wachsen kann.
Die Arbeit stellt eine Frage, keine Antwort: Was bleibt von unserer industriellen Vergangenheit, und was kann daraus wachsen? Sie muss nicht jedem gefallen. Sie darf irritieren, Erinnerungen wecken oder Widerspruch auslösen. Das passt zu einem Platz, der Ideen erproben will, und zu einer Stadt, die ihre Geschichte kennt und ihre Zukunft selbst gestaltet.
Wie sehen Sie das? Sprechen Sie uns auf dem Platz an oder schreiben Sie dem Kulturbüro. Wir sind an Ihrer Sicht interessiert.
Auf Zeit angelegt
Die Orangerie Marktstraße besteht bis zur geplanten Bebauung des Grundstücks, voraussichtlich bis 2028. Die Erfahrungen aus dem Projekt sollen als übertragbares Modell für weitere Innenstadtflächen dienen.
Ihr Kontakt zum Kulturbüro:





