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Presseinformationen

16.10.2018

Wie Eltern bei der Sprachförderung in Rüsselsheimer Kitas helfen

Foto: Bürgermeister Dennis Grieser (hinten links) und Simone Kübel (hinten rechts), Fachbereichsleiterin Bildung und Betreuung, beobachten Kindergartenkinder bei Experimenten zum Thema Gleich- und Ungleichgewicht. (Foto: Stadt Rüsselsheim am Main)

Das Bundesprogramm „Sprach-Kita: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ ist eines von mehreren Projekten, an denen Rüsselsheimer Kitas teilnehmen. Neben alltagsintegrierender Sprachförderung wird auch Inklusion und die Zusammenarbeit mit Familien gefördert. Die Königstädter Kita Bensheimer Straße gehört als eine von 12 Einrichtungen seit dem Programmstart Anfang 2016 dazu und hat vor allem mit ihrem Konzept der „Familienzeit“ gute Erfahrungen gesammelt. Bürgermeister und Sozialdezernent Dennis Grieser verschaffte sich nun einen persönlichen Eindruck davon, wie sich das Konzept einer lebendigen Erziehungspartnerschaft positiv auf die Sprachentwicklung auswirkt.

Mit der Familienzeit bietet die Kita Bensheimer Straße den Eltern an, ihre Kompetenzen in Form von Angeboten und Projekten an die Kinder weiterzugeben. „Für die Sprachentwicklung spielt die Zusammenarbeit mit Familien eine entscheidende Rolle, denn im Rahmen der Familienzeit erfolgt die Sprachförderung spielerisch und quasi nebenbei“, sieht Grieser den besonderen Vorteil dieses Konzepts. Vorher hat er sich einen persönlichen Eindruck verschafft, wie Laura Drobnak mit sieben Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren eine Experimentierreihe zum Thema Gleich- und Ungleichgewicht durchgeführt hatte. Drobnak ist Mutter eines Jungen der Kita Bensheimer Straße, unterrichtet Physik und Mathematik an einer weiterführenden Schule und ist derzeit in Elternzeit. Zweimal im Monat ermöglicht sie den Kita-Kindern in Form unterschiedlicher Experimente einen interessanten und lebendigen Zugang zu physikalischen Themen.

„Wollen wir experimentieren?“ „Jaaaaa!“
Zum Start fragt sie die Gruppe, ob auch wirklich alle bereit für eine neue Runde Experimente seien. Von den sieben Kindern schallt ihr ein lautes „Jaaaaa!“ entgegen. Alles, was sie dafür braucht, bringt sie von zu Hause mit, für das aktuelle Experiment vor allem kleine Dreiecksprismen, Holzleisten sowie zahlreiche Schrauben und Muttern, mit denen sie im Verlauf von 20 Minuten Wippen bauen lässt und nebenbei sprachliche Fähigkeiten schärft. Die Schrauben und Muttern repräsentieren dabei die Geschwister Peter und Isabelle (Schraube mit einer Mutter), den großen Bruder Karl (Schraube mit zwei Muttern), den Vater (Schraube mit drei Muttern) sowie ein dickes Schweinchen (Schraube mit vier Muttern). Das Experiment kleidet sie so altersgerecht in eine kleine Geschichte auf dem Spielplatz. Alle wichtigen Begriffe haben Bild- und Namenskärtchen, die Laura Drobnak zuvor verteilt hat und zunächst gemeinsam mit den Kindern in ihrer Bedeutung abklärt. Wer das Wort kennt, darf das Kärtchen am Flipchart festmachen, auf dem so nach und nach eine typische Spielplatzsituation mit wippenden Kindern abgebildet wird. Anschließend können die Kinder eine Wippe mit den Materialien nachbauen und durch das Setzen und Verschieben der Schrauben selber ausprobieren, ob der Vater nun leichter ist, wie seine Kinder Karl, Peter und Isabelle oder wo das Schweinchen sitzen muss, wenn es schwerer sein möchte, als alle anderen zusammen. Die Kinder sind sehr interessiert und mit viel Spaß bei der Sache. Kein Wunder für Sozialdezernenten Dennis Grieser: „Wenn Eltern selber für ein Thema brennen, ist es ein leichtes, dafür auch Kinder zu begeistern.“

Spezielle Fachkraft kümmert sich um die Sprachförderung
Doch Laura Drobnak ist nicht die einzige Mutter, die sich mit einem besonderen Thema in den Kitaalltag einbringt. In der Vergangenheit erhielten die Kinder während der Familienzeit bereits Einblicke in andere Kulturen, lernten Musikinstrumente und Tänze kennen und hörten Geschichten aus „Urgroßvaters“- Zeiten. Derlei Angebote werden in der Kita Bensheimer Straße gesteuert und koordiniert von Björn Holland. Er ist dort einerseits mit einer halben Stelle als „normaler“ Erzieher tätig, andererseits mit einer anderen halben Stelle, über das Bundesprogramm finanziert, als besondere Fachkraft für sprachliche Bildung verantwortlich. In dieser Funktion kümmert er sich um die Umsetzung des pädagogischen Handelns sowie die teamübergreifende Reflexion. Er gibt alle sechs Wochen Rückmeldungen und wichtige Tipps an die Kolleginnen, wie sie alltagsintegrierend Sprachförderung betreiben können und lässt seine Erfahrungen aus dem Alltag kontinuierlich ins pädagogische Konzept der Einrichtung einfließen. Grieser sieht in den ineinandergreifenden Bausteinen des Bundesprogramms auch den Erfolg des Modells begründet: „Das Zusammenwirken von Sprachkompetenzen des Kindes, reflektierter Interaktion und Kommunikation zwischen Kindern und Fachkräften sowie Aktivitäten der Kinder in einem anregenden, familiären Umfeld sind aus meiner Sicht die wesentlichen Elemente eines erfolgreichen sprachfördernden Kita-Alltags.“

Die Kita Bensheimer Straße ist seit September 2014 in Betrieb und fester Bestandteil der Bildungslandschaft in Königstädten für Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren. Die Kita beherbergt insgesamt sechs Gruppen: drei Gruppen mit Kindern unter drei Jahren, drei Gruppen mit Kindern zwischen drei bis sechs. Aktuell, also zu Beginn des Betreuungsjahres, besuchen 71 von 96 möglichen Kindern die Kita. Erfahrungsgemäß wird spätestens im kommenden Frühjahr die Einrichtung vollbelegt sein, da der Kitastart der Kinder davon abhängig ist, wann sie Geburtstag haben. Die Einrichtung arbeitet nach dem offenen Konzept, das heißt neben der Zugehörigkeit zu Stammgruppen steht die gesamte Einrichtung als Bildungsraum zur Verfügung.

 

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