Rüsselsheim Rathaus

Presseinformationen

01.11.2018

Pflegeeltern gesucht

„Jetzt Pflegefamilie werden! Rüsselsheimer Kinder brauchen Ihre Hilfe!“ Unter diesem Motto bietet der Pflegekinderdienst des Fachbereichs Kinderschutz und Jugendhilfe der Stadt Rüsselsheim am Main am Mittwoch (21. November) um 18 Uhr im Rathaus einen Informationsabend für alle Interessierten zum Thema Pflegekind an (Raum 110/1. Obergeschoss, Eingang über Faulbruchstraße). Da Pflegeeltern derzeit rar sind, startet der Fachbereich Kinderschutz und Jugendhilfe gleichzeitig mit neuen Plakaten eine Kampagne zur Gewinnung von neuen Pflegefamilien. Um bei möglichen Bewerberinnen und Bewerbern Interesse zu wecken, werden die Plakate vom 29. November bis zum 09. Dezember an allen Litfaßsäulen der Stadt zu finden sein.


Es gibt immer Kinder, die nicht in ihren Familien bleiben können. Sie erhalten von ihren Eltern keine Geborgenheit, Stabilität, Zuwendung und ausreichende Versorgung. In gravierenden Fällen, wenn das Kindeswohl gefährdet ist oder die Versorgung eines Kindes in seiner Familie nicht sichergestellt werden kann, werden Kinder nach sorgfältiger Abwägung des Fachbereichs Kinderschutz und Jugendhilfe in Obhut genommen. Gründe für eine solche Inobhutnahme gibt es viele. Dazu gehören Gewalt unter den Erwachsenen oder gegenüber dem Kind, psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen der Eltern, Verwahrlosung oder Vernachlässigung des Kindes und häufig eine starke Einschränkung der Erziehungsfähigkeit auf Seiten der Eltern.


Bereitschaftspflege bietet vorübergehend ein neues Zuhause
In diesen Notsituationen braucht das Kind einen sicheren Ort und verlässliche, fürsorgliche Erwachsene, die es aufnehmen, versorgen und ihm emotionalen Halt geben. Für die Zeit der Klärung, ob und unter welchen Bedingungen das Kind wieder in seine Familie zurückkehren kann, braucht das Kind eine Familie, die es umsorgt und für es da ist. Ihm vorübergehend ein sicheres Zuhause bietet. Diese Aufgabe übernehmen Bereitschaftspflegefamilien.
Diese Bereitschaftspflegefamilien bieten auch in anderen Notsituationen Kindern ein vorübergehendes Zuhause. Solche Fälle können sein, wenn eine alleinerziehende Mutter ins Krankenhaus muss, Eltern aufgrund eines Suchtmittelentzugs oder einer vorübergehenden Haft als Versorger ausfallen, oder sich ein anderer Notfall, wie ein Unfall der Eltern, ereignet hat. Bereitschaftspflegeeltern sind zeitlich flexibel und erfahren in der Erziehung.


Vollzeitpflege stellt dauerhaftes Zuhause sicher
Sollte sich herausstellen, dass ein Kind nicht in seine Familie zurückkehren kann, weil in einem gerichtlichen Verfahren festgestellt wurde, dass die Eltern nicht in der Lage sind angemessen für ihr Kind zu sorgen, benötigt das Kind eine Pflegefamilie, in der es auf Dauer leben kann. Diese Pflegefamilien nennt man Vollzeitpflege. Hier werden die Kinder ein fester Teil der (Pflege-) Familie. Meist haben diese Kinder auf ihrem kurzen Lebensweg schon viel erlebt, was sie nachhaltig geprägt hat. Deshalb braucht es viel Verständnis auf Seiten der Pflegeeltern, wenn sie ein Kind auf Dauer bei sich zu Hause aufnehmen. Sie sollten belastbar sein und das Kind vorbehaltlos mit seinen Stärken und Schwächen annehmen und die entwicklungsbedingten Hürden gemeinsam mit ihm meistern. Außerdem sollten sie dem Kind helfen, seine Geschichte zu verstehen und den Kontakt zu seinen Eltern zu bewahren und zu pflegen.


Kontinuierliche Begleitung durch den Pflegekinderdienst
Dabei sind Pflegeeltern nie allein. Alle Pflegefamilien werden vom Pflegekinderdienst engmaschig begleitet und beraten. Einmal jährlich findet  bei Vollzeitpflege ein Hilfeplangespräch zur Absprache aller wichtigen Themen rund um das Kind statt, an dem neben dem Fachbereich Kinderschutz und Jugendhilfe auch die Pflegeeltern und die leiblichen Eltern des Kindes teilnehmen. Neben der kontinuierlichen fachlichen Begleitung der Pflegefamilien durch den Pflegekinderdienst bietet das Jugendamt mehrere Elternabende im Jahr sowie Fortbildungen für Pflegeeltern an.
Was Pflegeeltern mitbringen sollten
Sollten sich Paare dafür entscheiden, Pflegeeltern werden zu wollen, egal ob Bereitschafts- oder Vollzeitpflege, werden sie vom Pflegekinderdienst schrittweise auf ihre Aufgaben vorbereitet und geschult. Da Pflegeeltern immer im Auftrag des Fachbereichs Kinderschutz und Jugendhilfe eingesetzt werden, also einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen, müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. Nationalität, Religion oder die Form der Lebensgemeinschaft spielen dabei keine Rolle. Wichtig sind hingegen gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse, einwandfreie Führungszeugnisse, die gesundheitliche Eignung, ausreichend Lebensraum für das aufzunehmende Pflegekind, sowie gute Kenntnisse der deutschen Sprache.


Pflege ist nicht umsonst
Pflegeeltern werden für ihre Aufgabe vergütet. Bereitschaftspflegefamilien erhalten pro Belegungstag 62 Euro für das Kind. Bei Nichtbelegung bekommen Bereitschaftspflegefamilien für die Bereithaltung des Platzes 11 Euro am Tag. Vollzeitpflegeeltern erhalten ein dem Alter des Kindes entsprechendes Pflegegeld sowie einen Erziehungsbeitrag, entsprechend dem  Pflegegelderlass des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. Der Betrag liegt zwischen 760 Euro und 920 Euro im Monat. Darüber hinaus werden zahlreiche Nebenleistungen für ein Pflegekind vom Jugendamt übernommen. So gibt es beispielsweise eine Ferienpauschale von 250 Euro im Jahr für das Kind, finanzielle Unterstützung zur materiellen Ausstattung der Pflegefamilie für Möbel, die Übernahme von Nachhilfekosten für das Kind und vieles mehr. Außerdem erhalten Pflegeeltern einen Beitrag zur Altersvorsorge und zur Unfallversicherung. Die Pflegekinder sind immer über die Stadt haftpflichtversichert.


Wer Interesse hat, Kindern zu helfen und ihnen vorübergehend oder langfristig ein Zuhause zu geben, kann sich beim Pflegekinderdienst der Stadt Rüsselsheim am Main telefonisch über die Nummern 06142 83-2308, -2157 und -2396 oder per E-Mail an pflegekinderdienst@ruesselsheim.de melden. Auch Fragen zur Informationsveranstaltung am 21. November lassen sich so bereits im Vorfeld beantworten. Das Jugendamt bittet die Leserinnen und Leser, auch mit Bekannten über dieses Thema zu sprechen. Über diese Mund-zu-Mund-Propaganda können auch Interessierte, die nicht über die Zeitung oder andere Medien erreicht werden, von der Not an Pflegefamilien erfahren und sich beim Pflegekinderdienst melden.


 

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