Rüsselsheim Rathaus

Presseinformationen

30.04.2019

Theateraktion zum Thema Meinungsfreiheit auf dem Rüsselsheimer Wochenmarkt am 4. Mai

Foto: Melanie Linzer als Marie Juchaczs (Foto: Angelina Dalinger)Foto: Marktrufer in Offenbach, 2017 (Foto: KulturRegion)

Besucherinnen und Besucher des Rüsselsheimer Wochenmarktes erwartet am Samstag (4. Mai) um 11 Uhr ein außergewöhnliches Schauspiel. In Kooperation mit der Stadt Rüsselsheim am Main veranstaltet die KulturRegion FrankfurtRheinMain auf dem Marktplatz ein Format zum Thema Meinungsfreiheit.

Inmitten von Gemüse, Kräutern, Blumen und Käse erteilen Schauspielerinnen und Schauspieler der BüchnerBühne Riedstadt der Freiheit das Wort. Sie rezitieren aus der Erklärung der Bürger- und Menschenrechte, aus Reden und Gedichten mutiger Protagonisten wie Luther und Danton, aus Marie Juchaczs Parlamentsansprache nach der Erlangung des Frauenwahlrechts 1919 bis hin zu Otto Wels‘ berühmter letzten freien Rede im Reichstag 1933. Immer geht es um das Recht auf freie Meinungsäußerung – ein Menschenrecht, das seit Jahrhunderten erstritten und erkämpft wurde, aber immer wieder verteidigt werden muss. Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland tritt auch „Konrad Adenauer“ auf, der am 8. Mai 1949 als Präsident des Parlamentarischen Rates das Grundgesetz mit seinen unaufhebbaren Grundrechten unterzeichnete. Ehrengast auf dem Rüsselsheimer Markt ist außerdem der Rüsselsheimer Ferdinand Stuttmann mit einem Plädoyer aus dem Jahr 1863 für Bildung als wichtige Grundlage der Freiheit.

Für Bürgermeister und Kulturdezernent Dennis Grieser ist das Marktrufer-Format von besonderer Bedeutung: „Gerade in Zeiten, in denen Populismus und Ausgrenzung zunehmen, ist es wichtig, auf das hohe Gut der Meinungsfreiheit aufmerksam zu machen, das über viele Generationen hinweg von mutigen Menschen erkämpft werden musste. 2019 jährt sich zum 100. Mal die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung, der ersten demokratischen Verfassung Deutschlands. Auch das Grundgesetz der Bundesrepublik, in dem die Meinungsfreiheit als Grundrecht verankert ist, feiert ein rundes Jubiläum. Ich freue mich darüber, dass die Kulturregion FrankfurtRheinMain mit den Schauspielerinnen und Schauspielern der BüchnerBühne in Rüsselsheim Station macht und uns zeigt, wie leidenschaftlich historische Persönlichkeiten für die Meinungsfreiheit eingetreten sind.“

Die Aktion auf dem Marktplatz ist eines von mehreren Formaten, die die Stadt im Jahr 2019 rund um das Thema Demokratie plant. So wird sich nach den Sommerferien eine Ausstellung im Rathaus Friedrich Ebert widmen, der im August 1919 als Reichspräsident die Weimarer Verfassung unterzeichnete. Zudem sind im laufenden Jahr seitens des Stadt- und Industriemuseums sowie innerhalb des städtischen Eigenbetriebes Kultur123 Stadt Rüsselsheim Veranstaltungsformate rund um das Thema Demokratie und Meinungsfreiheit geplant.

Mit dem Werden, Wirken und Ringen um Demokratie, Freiheit und Menschenrechte befasst sich die Ausstellung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim auf vielfältige Weise. Dies spiegelt sich auch im Jahresprogramm wider. So lädt das Museum in der Festung Rüsselsheim am 17. Mai um 18 Uhr bei freiem Eintritt zum Podiumsgespräch „Die Rettung von Opel vor der Insolvenz im Jahr 2009“ ein. Einblicke in diesen Wirtschafts- und Politkrimi geben der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch und der ehemalige Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Der Kampf um den Erhalt von Opel in Europa und die Rettung des Unternehmens und der Marke vor der durch General Motors angerichteten Insolvenz war ein beeindruckendes Exempel für die Chancen und Möglichkeiten, die aus der betrieblichen Mitbestimmung erwachsen. Das Gespräch wird von Dominik Lessmeister, Redakteur im ZDF Landesstudio Hessen, moderiert.

Die nun in Kooperation mit MOTORWORLD Rüsselsheim Rhein Main wieder möglichen Führungen „In Deckung?“ im Opel-Hochbunker D 20 aus dem Zweiten Weltkrieg hingegen geben Einblick in eine Zeit, in der die Städte Europas zu Kampfzonen wurden, lange bevor der Frontverlauf die Menschen an ihrem Heimatort erreichte. Auch in Rüsselsheim sind bis heute die Hochbunker auf dem ehemaligen Opel-Werksgelände in Beton gegossene Zeugen einer Kriegsführung, die kaum zwischen Militär, Rüstung und Zivilbevölkerung unterschied. Wie erlebten die Menschen das Ausharren im Bunker, welche Erinnerungen prägten sich dem Einzelnen ein? Und was bedeutete der Luftkrieg für die Menschen, die aufgrund der Ausgrenzung und Verfolgung durch den Nationalsozialismus keinen Schutzraum erreichen konnten? Die Führungen finden jeweils samstags am  15. Juni, um 12 Uhr und 15 Uhr, sowie am 31. August, um 12 Uhr und 15 Uhr, statt. Treffpunkt ist am Hauptportal des Opelwerks, Bahnhofsvorplatz. Der Teilnahmebeitrag beläuft sich auf 8 Euro, aufgrund der Teilnahmebegrenzung sind Karten im Vorverkauf erhältlich unter 06142 83-2950. Eine Taschenlampe als Notleuchtmittel ist mitzubringen, die Teilnahme erfolgt auf eigene Gefahr.

Die Geschichte von „Edith und Minna“ erzählt, liest und spielt Jürgen Flügge am 9. November (Samstag) um 19 Uhr im Stadt- und Industriemuseum. Es ist die Geschichte einer jüdischen Familie und ihres Dienstmädchens und der tiefen Freundschaft zwischen ihr und der Tochter Edith, die alle Schrecken der Naziherrschaft überdauert. Der Sohn von Minna findet einen alten Koffer auf dem Speicher, voller Briefe und Postkarten aus der Zeit von 1934 bis in die 50er Jahre, sowie Fotos in alten Briefumschlägen, auf den Briefmarken die Konterfeis von Hitler und Heuss. Briefe und Karten aus den USA sind darunter, geschrieben von jüdischen Freunden, die vor den Nazis fliehen mussten. Erinnerungen werden wach an die Mutter, an ihre und seine Jugend in einem Dorf im südhessischen Ried nach dem Krieg. An das Schweigen der Täter und Opfer, die bleierne Zeit der 50er Jahre. Der Abend findet in Kooperation mit der Stiftung Alte Synagoge Rüsselsheim statt, der Eintritt ist frei.

Eine weitere Veranstaltung aus der Reihe „100 Jahre Novemberrevolution“ findet mit der Ausstellung „100 Jahre Rote Fahne“ in der Stadtbücherei „Am Treff“ statt. Mit dieser Veranstaltung setzt Kultur123 Stadt Rüsselsheim die erfolgreiche Kooperation mit dem DGB und Attac fort. Die Ausstellung ist bis zum 28. Mai zu sehen. Die Reihe selbst findet mit dem Konzert der Gruppe „Die Grenzgänger“ am 21. Mai im Kulturzentrum „Das Rind“ ihren vorläufigen Abschluss.

Die Stadtbücherei erinnert parallel zur Ausstellung zu Friedrich Ebert in der Runde vom 12. August  bis 12. September 2019 mit einer Buchausstellung an Friedrich Ebert. Zudem würdigt die Stadtbücherei vom 16. September bis 5. Oktober 2019 Mahatma Gandhi zu dessen 150. Geburtstag ebenfalls mit einer Ausstellung.

Die vhs in Kultur123 Stadt Rüsselsheim organisiert anlässlich der langen Nacht der Volkshochschulen am 20. September einen mit inhaltlichen Wegepunkten gespickten „Wandertag“. Unter anderem wird  es dabei einen Impulsvortrag des Kulturwissenschaftlers Hartmut Boger (ehemaliger Leiter der vhs Wiesbaden) zum Thema „Bürgerschaftliches Engagement, das Lebensmittel unserer Demokratie“ in der „Alten Mühle“ im Vernapark geben.

Abgerundet wird das Angebot der folgenden Monate bei Kultur123 Stadt Rüsselsheim mit der szenischen Lesung „Das Tagebuch der Anne Frank“ am 13. November im Theater.


Die Infos zur Veranstaltung am 4. Mai auf dem Marktplatz im Überblick:

Samstag, 4. Mai, 11 – 11.40 Uhr, am Marktplatz Rüsselheim am Main
Marktrufer − Theateraktion mit der BüchnerBühne
Im Rahmen des Schwerpunktes „Meinungsfreiheit gestern und heute“ der KulturRegion FrankfurtRheinMain
Eintritt frei

Veranstalter: KulturRegion FrankfurtRheinMain und BüchnerBühne e.V. in Kooperation mit Stadt Rüsselsheim am Main. Gefördert durch den Gewinn-Sparverein bei der Sparda-Bank Hessen e.V.

Die kompletten Texte (ungekürzt) zum Nachlesen: www.krfrm.de/site/assets/files/14522/marktrufer_texte_zum_nachlesen.pdf

 

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