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22.05.2019

100 Jahre Waldfriedhof – „Mehr als nur eine Begräbnisstätte“

Foto: Akademische Feier in der Trauerhalles des Rüsselsheimer Waldfriedhofs anlässlich des 100. Jubiläums (Foto: Volker Dziemballa)Foto: Akademische Feier in der Trauerhalles des Rüsselsheimer Waldfriedhofs anlässlich des 100. Jubiläums (Foto: Volker Dziemballa)

Die Geschichte des Rüsselsheimer Waldfriedhofs begann am 25. Januar 1918,  durch Beschluss des damaligen Rüsselsheimer Gemeinderats. 16 Monate später, mit der ersten Beisetzung im Mai 1919, wurde der Friedhof schließlich in Betrieb genommen. Im Rahmen einer akademischen Feier gedachte die Stadt Rüsselsheim am Main nun seiner wechselvollen hundert jährigen Geschichte.

Bis heute ist der Waldfriedhof, als Nachfolger der Bestattungsanlage „Alter Friedhof, Seilfurther/Mainzer Straße“ mit zehn Hektar und etwa 6.000 Grabstätten die größte Friedhofsanlage in Rüsselsheim. „Doch der Waldfriedhof ist viel mehr als nur Begräbnisstätte, sondern trägt aufgrund seines Baumbestands im Verbund mit dem Ostpark erheblich zum Stadtklima bei. Sein parkähnlicher Charakter bietet darüber hinaus vielen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit der Naherholung“, erklärte Oberbürgermeister Udo Bausch vor rund 100 geladenen Gästen.

In seiner Festrede spann Bausch den Bogen von damals zu heute. Eng verbunden mit den Anfängen des Waldfriedhofs sei der Darmstädter Architekt Professor Paul Meissner. Nach seinen Lage- und Gebäudeplänen wurde der Friedhof geplant, denen 1932 der Auftrag zum Bau der klassizistischen Friedhofsgebäude folgte, die heute unter Ensembleschutz stehen. Doch Meissner ist nicht der einzige, der bleibende Zeugnisse hinterlassen hat. Bis in die Gegenwart ziehen sich künstlerische Spuren über den Waldfriedhof. So schmückt ein Wandbild des Malers und Kulturpreisträgers der Stadt Rüsselsheim, Diether Ritzert, die Trauerhalle auf ihrer Stirnseite. Und mit dem Kunstwerk „Seelentor“ der Installationskünstlerin Patricia Richert findet sich seit 2016 ein weiteres Kunstwerk als fester Bestandteil der Trauerhalle, in der auch der Festakt stattfand.

Bausch erinnerte aber auch an dunkle Tage in der Geschichte des Rüsselsheimer Waldfriedhof. Dazu gehörten beispielsweise die Schändung jüdischer Grabstätten und die Beisetzung von Menschen in Massengräbern, die ihr Leben durch die Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verloren hatten. Auch die amerikanischen Soldaten, die der Lynchjustiz zum Opfer gefallen waren, wurden vor deren Umbettung auf dem Waldfriedhof beigesetzt. Verschiedene Gedenksteine und Denkmäler auf dem Friedhof erinnern an diese Gewalttaten.

Trotz verschiedener Erweiterungen zwischen 1960 und 1985 „wäre es dem Friedhof beinahe nicht vergönnt gewesen, 100 Jahre alt zu werden“, wie Bausch berichtete. Mit der Inbetriebnahme des Friedhofs am Waldweg hatten die Stadtverordneten am 20. Oktober 1988 beschlossen, dass der Waldfriedhof außer Dienst gestellt werden sollte. Nur bürgerlichem Engagement und der Gründung einer Interessensgemeinschaft sei es zu verdanken gewesen, so Bausch, dass eine Schließung des Waldfriedhofs als Begräbnisstätte für viele Rüsselsheimerinnen und Rüsselsheimer verhindert wurde.

Hinsichtlich der künftigen Entwicklungsmöglichkeiten lenkten die Lehrerinnen Maren Unruh und Julia Matlok den Blick der Gäste auf ein vor ihnen aufgebautes Modell. Damit hatte der Kunstleistungskurs der Gustav-Heinemann-Schule im vergangenen Jahr den 1. Platz beim Wettbewerb „Friedhof der Zukunft“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Landeshauptstadt Wiesbaden erzielt. Bausch lobte: „Damit rücken sie die Lebenden in den Mittelpunkt.“ Auch er sehe den Waldfriedhof gut gerüstet für die Zukunft. Durch neuzeitliche und angepasste Bestattungsarten wie zum Beispiel Baum-, Rasen- und Pflegegrabstätten habe der Waldfriedhof an Attraktivität gewonnen. Besonders erfreulich sei aus seiner Sicht auch das Gräberfeld für freigestaltete Grabzeichen: „Somit entsteht auch in der Gegenwart bildende Kunst auf dem Rüsselsheimer Waldfriedhof, die sich bis in die Zukunft tragen wird.“

Musikalisch begleitet wurde der Festakt von Thomas Bergler am E-Piano sowie von den Chören „Liederkranz“ des MGV Haßloch, "Club Harmonie" und der SKG Bauschheim.

 

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