Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

19.06.2019

Abwasserverband investiert in Umweltschutz

Der Abwasserverband Rüsselsheim/Raunheim investiert kräftig in den Ausbau seiner Kläranlage: Auf der vergangenen Verbandssitzung hat die Baukommission wichtige Bauaufträge in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro vergeben. Der Abwasserverband folgt damit einem Bescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt, wonach der Phosphatwert auf 0,7 Mikrogramm pro Liter als Höchstgrenze und auf 0,5 Mikrogramm pro Liter im monatlichen Mittel gesenkt werden muss. Damit folgt man der Europäischen Wasserrahmenlinie (WRRL), die ihre Konkretisierung im „Hessischen Bewirtschaftungsplan und Maßnahmenprogramm 2015-2021“ erfahren hat.

 

„Künftig werden wir das Abwasser unserer Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich nachhaltiger und umweltverträglicher klären können“, verspricht Rüsselsheims Oberbürgermeister Udo Bausch, der zugleich Vorsitzender der Baukommission des Abwasserverbands ist. Dazu wird eine neue Anlage erbaut, mit der sich Phosphor im Wege der chemischen Fällung aus dem Abwasser entfernen lässt. Für den Neubau wurden in vier Losen der Rohbau einer neuen Halle samt einer dazugehörigen 40.000-Liter-Tankanlage, die Nachrüstung der vorhandenen Steuerungs- und Regelungstechnik, eine neue Dosierungsanlage für das Fällmittel sowie bauliche Optimierungen im Nachklärbecken ausgeschrieben. Die Planung orientiert sich dabei an einer Studie, die der Abwasserverband im Herbst 2015 in Auftrag gegeben hat, um den Sanierungsaufwand abschätzen zu können. Baubeginn ist voraussichtlich im Juli diesen Jahres, mit einer Inbetriebnahme der neuen Anlage zur Phosphateleminierung rechnet der Abwasserverband im April 2020.


Hintergrund des Kläranlagenausbaus ist die WRRL, die sich einen guten ökologischen und chemischen Zustand aller Gewässer zum Ziel gesetzt hat. Dazu haben die Bundesländer verschiedene Maßnahmenpläne entwickelt. Ein wichtiges Thema ist dabei der Phosphateintrag in die Gewässer. Phosphor begünstigt besonders das Pflanzenwachstum und wirkt im Gewässer eutrophierend, also förderlich für das Algenwachstum. Die Auswirkungen sind vielschichtig und im  Extremfall kommt es zur Sauerstoffarmut in den Gewässern mit tödlichen Folgen für Fische und andere Wasserorganismen. Phosphat-Produkte finden sich vor allem in Düngemitteln, Tierfutterprodukten sowie Wasch- und Reinigungsmitteln wieder. Daher rückt der verbesserte Betrieb der kommunalen Kläranlagen in den Mittelpunkt der Maßnahmenbündel, wo besondere Maßnahmen zur weiteren Verminderung  der  Abwasserbelastung  durch  Phosphor-Verbindungen  vorgesehen sind.


„Bei diesen Maßnahmen werden wir es aber nicht belassen“, erklärt Udo Bausch. „Schon jetzt ist absehbar, dass ein weiterer Ausbau der Kläranlage nötig sein wird.“ Bausch bezieht sich dabei auf rechtliche Verpflichtungen, wonach in den kommenden Jahren besonders die Minderung von Mikroplastiken sowie Arzneimittelrückständen, wie Antibiotika, Schmerzmittel oder Röntgenkontrastmittel im Abwasser angestrebt wird.


Im nächsten Jahr sollen auch die konkreten Planungen für notwendige Ausweitung der Anlage aufgrund des aktuellen Bevölkerungswachstums beginnen. In der Planung der gemeinsamen Kläranlage von Rüsselsheim und Raunheim sind 1995 zwei Ausbaustufen vorgesehen worden. Die erste Stufe wurde mit dem Bau der Anlage umgesetzt, die zweite Stufe ist für eine Gesamtbevölkerungszahl zwischen 100.000 bis 120.000 Einwohnerinnen und Einwohnern vorgesehen. Allerdings werden nicht nur Köpfe gezählt, auch der Wasserverbrauch durch Gewerbe fließt in Form von Umrechnungsschlüsseln in diese Berechnung mit ein. Für diesen Ausbau ist ein zusätzliches Belebungsbecken vorgesehen, wo mittels Bakterien die im Wasser enthaltenen Schmutzstoffe in absetzbaren Schlamm verwandelt werden. Wie viel Platz auf dem vorhandenen Betriebsgelände dafür nötig sein wird, ist allerdings noch Gegenstand verschiedener Prüfungen.

 

Link zu Zurück zur Übersicht