Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

24.09.2019

Fachveranstaltung zum Thema Kinder- und Jugendrechte: Junge Menschen beteiligen

Foto: Prof. Dr. Katharina Gerarts (Foto: Kreisverwaltung Groß-Gerau)

Pädagogische Einrichtungen haben den Auftrag, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu eigenständig urteilsfähigen und engagierten demokratischen Bürgerinnen und Bürgern unterstützen. Um Lehr- und Fachkräften Impulse zu vermitteln, wie Kinder und Jugendliche in Schule und Jugendeinrichtungen aktiv beteiligt werden können, über ihre Rechte informiert werden und modellhaft demokratische Entscheidungsprozesse mitgestalten können, gab es Anfang des Monats eine Fachveranstaltung zum Thema Kinder- und Jugendrechte im Landratsamt Groß-Gerau. Organisiert wurde sie in Kooperation von Schulsozialarbeit und Kreisjugendförderung Groß-Gerau zusammen mit der Jugendförderung der Stadt Rüsselsheim am Main sowie dem Netzwerk gegen Gewalt, Regionale Geschäftsstelle Südhessen.
Der Einladung folgten rund 100 Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendbildung, der Schulsozialarbeit, Fachkräfte im Ganztag, Lehrkräfte sowie Vertreter und Vertreterinnen der Politik.

Landrat Thomas Will zitierte in seinem Grußwort die Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai mit den Worten „Ein Kind, eine Lehrkraft, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern. Bildung ist die Lösung. Bildung zuerst.“. Er berichtete, dass am Morgen desselben Tages bereits gut 180 junge Menschen aus dem Kreis der Einladung gefolgt waren, sich ebenfalls mit den Kinderrechten zu beschäftigen: Sie sahen das Theaterstück „My Malala“ des Theaterensembles Kortmann & Konsorten. Die Gruppen kamen aus der Martin-Buber-Schule, der Luise-Büchner-Schule, von den Beruflichen Schulen Groß-Gerau und der Werner-Heisenberg-Schule Rüsselsheim.
Thomas Will wies darauf hin, dass die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland im weltweiten Vergleich recht gut ausfalle – immerhin besuchten fast 100 Prozent der Kinder und Jugendlichen hier die Schule. Ihre Gesundheitsversorgung sei gesichert und es gebe ein Netz von Hilfen, das greifen könne, wenn es in Schule oder Elternhaus schwierig wird. „An den Rahmenbedingungenmüsse muss jedoch stetig weitergearbeitet werden, damit Kinderrechte gewahrt werden und bleiben“, betonte der Landrat.

Prof. Dr. Katharina Gerarts, Professorin an der Evangelischen Hochschule Darmstadt und von 2017 bis 2019 Beauftragte für Kinder- und Jugendrechte in Hessen, führte in ihrem Fachvortrag zum Thema „30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention – wo stehen wir in Hessen und wo wollen wir noch hin?“ in das Thema ein. Sie gab einen Einblick in die Historie der UN-Kinderrechtskonvention, an deren Entwicklung die Vereinten Nationen insgesamt 30 Jahre arbeiteten und die mittlerweile von allen Staaten der Erde (außer den Vereinigten Staaten von Amerika) ratifiziert wurde.
In Deutschland sind die Kinderrechte heute Bestandteil fast aller Länderverfassungen. Zuletzt hatten die Hessischen Wahlberechtigten 2018 in einer Volksabstimmung entschieden, dass die Kinderrechte in ihrer Landesverfassung verankert werden.

Die Referentin führte weiter aus, dass Kinder und Jugendliche nicht nur über ihre Rechte informiert werden sollen, sondern dass es auch darum geht, ihre Mitbestimmung in allen Lebensbereichen zu fördern. Dazu sei ein „Kinderbewusstsein“ erforderlich. Dieser Begriff, den der Schweizer Entwicklungsforscher und Kinderarzt Remo H. Largo prägte, meint die Fähigkeit Erwachsener, Kinder in allen Bereichen „mitzudenken“ - also die Entwicklungsbedingungen von Kindern stets im Blick zu behalten und der Perspektive der jungen Menschen in allen Lebensbereichen Rechnung zu tragen.

An den Vortrag schlossen sich vier Workshops an, in denen praxiserprobte Konzepte zur Demo-kratie¬arbeit an Schulen sowie in Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit vorgestellt wurden. Der stark frequentierte Workshop „Kinderrechte im schulischen Alltag ganzheitlich umsetzen“ bot Lehr- und Fachkräften Anregungen und Informationen zu der Frage, wie Schulen sich zu Kinderrechte- und Demokratieschulen entwickeln können.
Ein demokratisches Forum, das bereits in vielen Schulen existiert, ist der Klassenrat, in dem die Schülerinnen und Schüler einer Klasse wöchentlich über selbstgewählte Themen beraten, diskutieren und entscheiden. Im Workshop von Regina Heil, Landeskoordinatorin Region Südhessen für das GuD-Projekt (Gewaltprävention und Demokratielernen), wurden praktische Fragen diskutiert: Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein? Wie läuft der Klassenrat konkret ab? Welche Rolle kann die Lehrkraft einnehmen?

Der dritte Workshop beinhaltete eine erste Auseinandersetzung mit dem Anti-Bias-Ansatz. Das englische Wort „bias“ bedeutet Voreingenommenheit oder Schieflage. Der Anti-Bias-Ansatz sensibilisiert Menschen dafür, bestehende gesellschaftliche „Selbstverständlichkeiten“ kritisch zu reflektieren, um Diskriminierungen aufgrund von Vorurteilen oder Vorannahmen wahrzunehmen.

Mit Ideen aus der praktischen Arbeit stellte Ronja Hörl vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt Rüsselsheim am Main vor, wie das Thema „Kinderrechte“ mit Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren spielerisch bearbeitet werden kann. Die Übungen, Spiele und Materialien konnten von den Workshop-Teilnehmenden an vier thematischen Stationen erprobt werden.

Der Weltladen Dornheim war eingeladen, das wichtige und ernste Thema Kinderrechte durch den Verkauf fair gehandelter Produkte zu versüßen. Die Ehrenamtlichen des Weltladens hatten zum Beispiel Fruchtgummi im Angebot, mit dessen Kauf das Engagement für Kinderrechte und gegen Sextourismus und Kinder¬prostitution unterstützt wird.
Die Fachveranstaltung fand im Rahmen des Netzwerks gegen Rechtsextremismus und Rassismus des Kreises Groß-Gerau statt.

 

Link zu Zurück zur Übersicht