Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

06.12.2019

Training für den Ernstfall

Foto: Ein Rüsselsheimer Feuerwehrmann kriecht in voller Montur durch ein 52 Meter langes Labyrinth von Drahtkäfigen, Röhren, Luken und Türen (Foto: Stadt Rüsselsheim am Main)

Mindestens einmal im Jahr steht sie auf dem Übungsprogramm für viele Mitglieder der Rüsselsheimer Feuerwehr: Die Atemschutzgeräteübung. Dann müssen sie mit Sauerstoffflasche, Gesichtsmaske und voller Montur einen schweißtreibenden Parcours im Keller der Hauptfeuerwehrwache absolvieren. Stadtrat und Brandschutzdezernent Nils Kraft konnte sich im Beisein des stellvertretenden Leiters der Rüsselsheimer Feuerwehr Michael Kämpfer jetzt ein eigenes Bild davon machen, wie herausfordernd und wichtig diese Übung ist.

Die Belastungsprobe trainiert, ist für Mitglieder der Feuerwehr, die für das Tragen von Atemschutzgeräten ausgebildet wurden, ein notwendiger Nachweis ihrer Einsatzfähigkeit. Denn die fachliche und körperliche Belastung ist in Gefahrensituationen groß. Das nötigt Stadtrat Nils Kraft viel Respekt ab: „Unsere Feuerwehrleute benötigen Hingabe, Disziplin, fachliches Können und körperliche Fitness. Es ist daher alles andere als selbstverständlich, wenn jemand bei der Freiwilligen Feuerwehr diesem enorm anspruchsvollen Ehrenamt nachgeht“, erklärt Kraft.

Im Rahmen der Atemschutzgeräteübung sind Belastungen an verschiedenen Übungsgeräten, wie Laufband oder Endlosleiter, und ein Hindernisparcours zu absolvieren. Etwa 30 Kilogramm wiegen dabei das Atemschutzgerät sowie die während der Übung mit sich zu führende Ausrüstung. Am Ende der rund 25 minütigen Übung werden die Feuerwehrleute mit Atemschutzgerät und Einsatz auf dem Laufband bei zehn Grad Steigung mindestens zwei Minuten bei einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde gelaufen sein, ein Gewicht von 25 Kilogramm 48 Mal angehoben haben und auf einer elektrischen Sprossenwand mehr als 20 Meter hochgeklettert sein. Krönung ist jedoch eine 52 Meter lange Übungsstrecke über zwei Ebenen, die die Feuerwehrleute in voller Montur absolvieren müssen. Dabei kriechen sie im Trupp zu zweit durch ein enges Labyrinth von Drahtkäfigen, Röhren, Luken und Türen. Um die Belastungen eines realen Einsatzes noch besser zu simulieren, ist die Übungsstrecke komplett verdunkelt oder mit einer Nebelmaschine verraucht. Dann geht es nur tastend voran. Zusätzlich geben Lautsprecher Störgeräusche und Heizstrahler Wärme ab, so dass die Einsatzbelastung noch mal zusätzlich steigt. „Am Ende hat man eine Anstrengung in der Atemschutzübungsanlage hinter sich gebracht, die in etwa mit dem zweimaligen Hochsteigen eines 12-stöckigen Hochhauses bei einem Gesamtgewicht von 100 Kilogramm vergleichbar ist“, erklärt Michael Kämpfer.

Von den rund 220 Rüsselsheimer Feuerwehrfrauen und -männer wurde etwa die Hälfte für das Tragen eines Atemschutzgerätes ausgebildet. Michael Kämpfer schätzt, dass bei den jährlich etwa 1.200 anfallenden Feuerwehreinsätzen in Rüsselsheim rund 450 der Feuerbekämpfung dienen. Davon seien gut die Hälfte Brandeinsätze, die mit Atemschutz durchgeführt werden müssten.  

 

Die Basis für diese Fähigkeiten erhalten die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr in einem Grundlehrgang, der 70 Wochenstunden umfasst. Es folgen zwei Jahre lang regelmäßige Übungen und weitere Lehrgänge, wie eben für das Tragen von Atemschutzgeräten oder für den Sprechfunk. Am Ende der ersten Ausbildungsstufe steht die Prüfung zur Truppfrau oder zum Truppmann. Die meisten Feuerwehrfrauen und -männer qualifizieren sich anschließend weiter. Sie besuchen zahlreiche Spezialkurse, absolvieren regelmäßig Übungen und einige von ihnen legen die Führerscheinprüfung für die Fahrerlaubnis der Klasse C ab, um Feuerwehrfahrzeuge fahren zu dürfen. Nach etwa acht Jahren haben die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr genügend Erfahrungen im Einsatz- und Übungsdienst gesammelt, so dass ihnen über einen Gruppenführerlehrgang der höhere Führungsdienst offen steht. Die Führungskräfteausbildung ist bis zur Zugführerin oder zum Zugführer möglich, bis dahin haben Feuerwehrleute rund zwölf Jahre umfangreiche Erfahrungen in Praxis und Theorie erworben. „Unsere Feuerwehrleute sind hoch qualifizierte Menschen mit einer sehr langen Ausbildung, die sich im Dienste der Allgemeinheit Gefahren aussetzen. Dafür können wir gar nicht genug danken, denn der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr ist unverzichtbar für unsere Stadt“, sagt dazu Stadtrat Kraft.

 

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