Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

02.07.2020

OB trifft Handwerk: 36.376 Meter Markierband und ein verpasster Auftakt für die Motorradsaison

Foto: Oberbürgermeister Udo Bausch und Marion Köhler besuchten Harald und Marion Bockius (Foto: Stadt Rüsselsheim am Main)Foto: Oberbürgermeister Udo Bausch und Marion Köhler bei Stephan Schreiner von Motorrad Easy (Foto: Stadt Rüsselsheim am Main)

Als am 16. März viele Geschäfte aufgrund der Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus schließen mussten, traf das auch in Rüsselsheim viele Gewerbetreibende unverhofft. Im Rahmen der Reihe „Oberbürgermeister trifft Handwerk“ hat sich Oberbürgermeister Udo Bausch ein Bild gemacht, wie die Betriebe in Rüsselsheim am Main mit der Situation umgegangen sind. Besucht hat er zwei Betriebe, die Corona vor unterschiedliche Herausforderungen gestellt hat. Während die Firma Glasbau Bockius sich neue Arbeitsabläufe für die Mitarbeitenden überlegen musste und plötzlich Aufträge für Schutzscheiben und –rollos bearbeitet hat, hatte der Ein-Mann-Betrieb Easy Motorrad/Catch easy von Stephan Schreiner gerade erst sein Geschäftsfeld erweitert, und ihm fehlt nun das wichtige Saisongeschäft im Frühling.

„Corona hat glücklicherweise unser Gesundheitssystem kaum belastet und es ist uns gelungen, viele Menschen vor dem Virus zu schützen. In Rüsselsheim haben wir von der guten Zusammenarbeit zwischen den Behörden und einem gut aufgestellten Klinikbetrieb im GPR profitiert. Dennoch sind in Rüsselsheim überall die Auswirkungen der Krise zu sehen, die wir als Stadt jetzt ebenfalls im Blick haben müssen. Deswegen war es mir ein Anliegen, mich mit unterschiedlichen Betrieben zur aktuellen Lage auszutauschen“, sagt der Rathauschef.

Für die Firma Glasbau Bockius von Marion und Harald Bockius, die seit 1978 in der Manganstraße 2 in Rüsselsheim angesiedelt ist, hatte Corona verschiedene Auswirkungen auf ihren Betriebsalltag. „Als am 16. März die Kitas geschlossen hatten, hat das auch Beschäftigte aus unserem Betrieb getroffen, die wegen fehlender Kinderbetreuung zeitweise ausgefallen sind. Trotzdem hatten wir insgesamt Glück, denn große Ausfälle wegen Freistellungen oder Krankheiten hatten wir nicht. Aber auch in unserer Arbeitsweise hat sich Corona bemerkbar gemacht. So gibt es jetzt bestimmte Vorgaben von unseren Auftraggebern, dass unsere Mitarbeiter Fieber messen und ihre Temperaturen protokollieren müssen. Das haben wir mittlerweile aus eigener Initiative für uns selbst übernommen, um unsere Mitarbeiter zu schützen. Zusätzlich fahren wir jetzt immer mit mehreren Fahrzeugen zu Baustellen, damit die Kollegen nicht zu eng zusammensitzen müssen. Unsere Kunden schicken wir in der Regel aus dem Zimmer, wenn wir irgendwo Fenster einbauen und die Kunden kommen nur noch nach Voranmeldung in unser Ladengeschäft“, berichtet Marion Bockius von den Umstellungen, die Corona mit sich gebracht hat.

„Wir hatten anfangs auch Kurzarbeit beantragt, aber diese dann glücklicherweise nicht gebraucht. Viele Baustellen konnten dann doch weitergeführt werden und zusätzlich kamen noch Aufträge von Unternehmen rein, die wieder aufmachen durften und jetzt Schutzvorrichtungen wegen der Verordnung zum Schutz vor Corona brauchten. Die durchsichtigen Folienrollos und Plexiglaskästen, die viele Betriebe als Spuckschutz im Büro, in Arztpraxen oder ihren Verkaufstheken nutzen, sind derzeit die Renner bei uns im Geschäft. Zwischenzeitlich hatten wir das Problem an ausreichend Materialien zu kommen, weil Kunststoff irgendwann knapp wurde. Als Opel bei uns angefragt hatte, haben wir 36.376 Meter Markierband geliefert, damit die Firma die Abstandsmarkierungen für die Beschäftigten und Besucher auf ihrem Werksgelände kleben konnten“, berichtet Harald Bockius dem Oberbürgermeister, der entgegnete: „Daran sieht man, dass auch die Handwerksunternehmen in dieser Situation systemrelevant sind. Denn auch solche Maßnahmen helfen, die Verbreitung des Virus zu verhindern.“

Für Stephan Schreiner war die Schließung seines Ladengeschäfts in der Darmstädter Straße 91 in mehrfacher Hinsicht ein Problem. Seit 2007 verdient er in Rüsselsheim mit seiner Motorradwerkstatt Easy Motorrad sein Geld mit dem Umbau, Reparatur und Inspektion von japanischen Motorrädern, die er umgebaut auch zum Verkauf anbietet. Daneben kümmert sich der gelernte Zweirad-Mechaniker-Meister gelegentlich auch um Angelboote. „Die Ladenschließung aufgrund von Corona lag genau in der Zeit, wo ich normalerweise den größten Teil meines Jahresumsatzes mache. Zum Frühlingsbeginn werden die Motorräder für die Saison angeschafft, instandgesetzt oder aufgerüstet, in den Sommerferien sind dann meist viele Kunden schon im Urlaub und im Herbst lohnen sich größere Maßnahmen kaum noch. Dann endet die Saison bald, so dass viele Kunden Investitionen ins nächste Jahr aufschieben. Wegen der wirtschaftlichen Folgen von Corona sind die Leute derzeit zusätzlich zurückhaltend mit größeren Anschaffungen“, befürchtet Schreiner. Dank der Soforthilfen, deren Beantragung gut funktioniert habe, konnte er sich über Wasser halten.

Gleichwohl hat er noch ein weiteres Problem. Denn eigentlich war Schreiner kurz vor der Schließung davor, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Der passionierte Angler hat nämlich erst kürzlich eine größere Summe für den Umbau seines Geschäfts ausgegeben und wollte unter dem Namen Catch Easy hochwertige Angelausrüstung verkaufen. „Die Region ist ein gutes Gebiet zum Angeln, und viele Geschäfte mit meinem Angebot gibt es hier nicht. Aber bisher konnte ich kaum dafür werben, weil der Laden nicht öffnen konnte. Trotzdem glaube ich, dass Angeln ein Sport ist, den man gerade in Corona-Zeiten gut machen kann, weil er draußen stattfindet und die Angelnden ohnehin Abstand halten müssen.“ Mittlerweile hat er wieder geöffnet, Schreiner hofft daher, dass das Geschäft demnächst anläuft. Oberbürgermeister Udo Bausch zeigte sich beeindruckt von dem Hobby und bot an, bei Kooperationen rund um das Thema Angelsport behilflich sein zu wollen.

Bausch sagte abschließend: „Für die Wirtschaft ist es jetzt wichtig, dass wir möglichst bald wieder einen Normalbetrieb ermöglichen können, ohne dabei die Sicherheit vor dem Corona-Virus aus den Augen zu lassen. Mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Rüsselsheim am Main steht den Betrieben eine Anlaufstelle zur Verfügung, die für Fragen zu Unterstützungsangeboten beiseite steht und Unternehmen beraten kann. Aber auch die Stadtgesellschaft insgesamt sollte jetzt zusammenstehen, um sich gegenseitig zu helfen. Ich bin mir sicher, gemeinsam gelingt uns der Weg zur Normalität deutlich besser.“

 

Link zu Zurück zur Übersicht