Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

29.06.2021

Pilotprojekt: Vergünstigte Mobilität mit dem Rüsselsheim Pass

Für Inhaberinnen und Inhaber des Rüsselsheim Passes könnte es ab 2022 Vergünstigungen beim Kauf von Wochen- und Monatskarten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) geben. Der Magistrat kommt damit einem Auftrag der Stadtverordnetenversammlung nach. Bei ihrem Grundsatzbeschluss zur Einführung des Rüsselsheim Passes im Jahr 2018 hatten die Parlamentarier den Magistrat aufgefordert, hierzu eine gesonderte Vorlage zu erarbeiten, die nun vorliegt.

„Mobilität ist ein wichtiger Faktor im Leben der Menschen und auch ein Baustein der Daseinsvorsorge. In den kommenden Jahren wird die Förderung des ÖPNV und der ökologischen Verkehrswende zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Stadtverordneten müssen nun entscheiden, ob sie den Leistungskatalog des Rüsselsheim Passes um dieses Segment erweitern wollen“, erläutert Stadtrat Nils Kraft die Beweggründe. Auch Bürgermeister und Sozialdezernent Dennis Grieser, in dessen Ressort die Zuständigkeit für den Rüsselsheim Pass fällt, begrüßt die Vorlage. „Wir ermöglichen Menschen, die finanziell nicht so gut gestellt sind, Vergünstigungen in verschiedenen Bereichen, beispielsweise ermäßigte Karten für kulturelle Veranstaltungen oder den Schwimmbadbesuch. Das ist ein wichtiger Baustein für gesellschaftliche Teilhabe. Doch was nützt das schönste Angebot, wenn die Kosten für die Anfahrt nicht erschwinglich sind“, sagt Grieser.
In einer zweijährigen Pilotphase in den Jahren 2022 und 2023 will der Magistrat das neue Angebot testen und anschließend evaluieren. Gelten sollen die Ermäßigungen im Rüsselsheimer Stadtgebiet (Tarifzone 3730). Sie werden in Form von Wochen- und Monatskarten angeboten, die die Stadt entsprechend subventioniert. „Die Entscheidung für diese zwei Ticketformen hat mehrere Gründe. Beispielsweise sind im RMV-Tarif keine günstigeren ‚Kurzstrecken‘ möglich, als derzeit bereits angeboten. Zum anderen sind Einzelfahrten im normalen Tarif auch mit Zuschuss eine eher teure Alternative. Tageskarten wiederum sind nicht personenbezogen und ermöglichen Missbrauch, beispielsweise den Weiterverkauf. Jahreskarten-Abos werden durch den hohen Erstanschaffungsbetrag als nicht zielführend bewertet“, führt Nils Kraft aus. Aus diesem Grund habe man sich für die Subventionierung von Wochen- und Monatskarten entschieden.

Ausgegeben werden die vergünstigten Wochen- und Monatskarten als personenbezogenes eTicket Rhein-Main. Hierdurch können Fahrkarten den Inhaberinnen und Inhabern des Rüsselsheim Passes klar zugeordnet werden. Erwerben wird man die ermäßigten Tickets in der Mobilitätszentrale am Bahnhof und im Kundenzentrum der Stadtwerke können. Die Berechtigung ist mit dem Rüsselsheim Pass nachzuweisen. Mit dem ermäßigten eTicket für das Rüsselsheimer Stadtgebiet können auch Anschlussfahrkarten in andere Tarifzonen erworben werden. Diese sind dann günstiger als der Normaltarif für die Strecke, sie sind jedoch im Ermäßigungsumfang nicht enthalten.

Im Rahmen der Pilotphase sollen auch sogenannte Sharing-Angebote eingebunden werden, beispielsweise die Nutzung von Fahrrädern von Next Bike. Insgesamt sieben dieser Fahrrad-Stationen gibt es derzeit im Rüsselsheimer Stadtgebiet. „Die gezielte Förderung der ÖPNV-Nutzung und die Vernetzung mit weiteren klimaverträglichen Verkehrssystemen sind weitere Bausteine zur Verkehrswende und ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz in unserer Stadt. Zugleich machen wir die bereits vorhandenen nachhaltigen Mobilitätsangebote sichtbarer und lasten sie effizienter aus“, sagt Kraft. Den Inhaberinnen und Inhabern des Rüsselsheim Passes soll dazu im Rahmen der Pilotphase ein Freiminutenkontingent von 30 Minuten pro Fahrt zur Verfügung gestellt werden.

Rund 1.300 Rüsselsheimerinnen und Rüsselsheimer haben mit Stand Januar 2021 einen Rüsselsheim Pass. Wenn die Stadtverordneten die Vorlage beschließen, können sie ab 2022 Wochenkarten zum ermäßigten Preis von 7 Euro und Monatskarten zum Preis von 20 Euro erwerben. Beide Karten sind nicht übertragbar. Der reguläre Preis liegt bei 14,10 Euro für die Wochen- und 42,59 Euro für die Monatskarte. Mit den Stadtwerken und dem RMV ist das Vorgehen abgestimmt. Und auch die Finanzseite hat der Magistrat vorab betrachtet. Es ist mit rund 130.000 Euro Mehraufwand für die Subventionierung zu rechnen. Allerdings wird im Rahmen des Betrauungsvertrags mit den Stadtwerken die Höhe des angenommenen Ausgleichsbetrags um diese Summe reduziert. Hierfür entsteht im städtischen Haushalt also keine zusätzliche finanzielle Belastung. Die kalkulierten jährlichen Kosten für das Next Bike-Sharing liegen bei 7.000 Euro pro Jahr. Diese Mittel werden zusätzlich für den Haushalt 2022 angemeldet.

Insgesamt sollen mit Hilfe der Ermäßigungen des Rüsselsheim Passes jene Bereiche gesellschaftlicher Teilhabe vergünstigt werden, aus denen Menschen mit geringem Einkommen ohne Förderung oftmals ausgegrenzt sind. Insbesondere in den Bereichen Bildung, Kultur, Kinder- und Jugendfreizeiten, altersunabhängige Freizeitgestaltung, Vereinsleben und Mobilität sind Menschen mit geringem Einkommen von Ausgrenzung bedroht. Dem wirkt der Rüsselsheim Pass entgegen.

Die Realisierung des Rüsselsheim Passes geht auf eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zurück, die auf Vorschlag von Bürgermeister Dennis Grieser zusammentrat. Die Ergebnisse wurden 2018 in einem Grundsatzbeschluss zusammengefasst.

 

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