Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

12.07.2021

Marktgeschichte ist Stadtgeschichte

Foto: Marktfahne (Foto: Stadt- und Industriemuseum der Stadt Rüsselsheim am Main)Foto: Museumsleiterin Bärbel Maul mit der Marktfahne im Museum (Foto: Stadt Rüsselsheim am Main/Fotograf: Peter Thomas)

Der Besuch auf dem Markt ist für viele Menschen ein fester Termin in ihrem Wochenkalender. In Rüsselsheim gibt es dafür gleich vier verschiedene Gelegenheiten: Auf dem Marktplatz in der Innenstadt werden frische, regionale Produkte am Dienstag (7 bis 12.30 Uhr) und Samstag (7 bis 13 Uhr) angeboten. In Königstädten geschieht das am Mittwoch (7 bis 12 Uhr) und im Dicken Busch am Donnerstag (7 bis 12 Uhr).

Doch wie war das vor mehr als 300 Jahren? Damals gehörte ein großer Markt zu den Höhepunkten im ganzen Jahreslauf. Auch Rüsselsheim beantragte daher bei der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt im Jahr 1686 das Recht, zwei solcher Märkte im Jahr auszurichten: Einer solle „Dienstag und Mittwoch vor Christi Himmelfahrt“ stattfinden, der zweite „am Mittwoch vor St. Gallus im Oktober“. So beschreibt es die ehemalige Stadtarchivarin Gudrun Senska in ihrem Beitrag „Von Waren und Gefahren. Leben an und mit dem Fluss“ im 2017 erschienen Band „Zum Ort durch Zeit und Raum“ des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim. Tatsächlich erhält Rüsselsheim noch im selben Jahr das Marktprivileg von Landgräfin Elisabeth Dorothea. Ihr Sohn, Landgraf Ernst Ludwig, bestätigt das Recht 1696. Und 1754 wird es von Landgraf Ludwig erneuert.

„Mit ihrer Vielfalt öffnet die Rüsselsheimer Marktgeschichte einen faszinierenden Blick in die Geschichte unserer Stadt Rüsselsheim am Main“, sagt Oberbürgermeister Udo Bausch. „Heute führen die Wochenmärkte diese Tradition mit ihrem Angebot für eine gesunde, regionale Ernährung fort“, sagt der Verwaltungschef.

Historische Marktfahne im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim


Ein prachtvolles Dokument der Marktgeschichte ist im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim zu erleben: „Es ist die Marktfahne von 1789, die im Jahr 1843 erneuert worden ist“, erklärt Museumsleiterin Dr. Bärbel Maul. Die Fahne wird als Reproduktion in der Dauerausstellung gezeigt, an einem weiß-rot gestreiften Mast befestigt. Sie wurde früher am Markttag bei Tagesanbruch gehisst und um 22 Uhr wieder eingezogen.

Derzeit arbeitet die Stadt übrigens daran, die Marktfahne zu erneuern und als Markenzeichen wiederzubeleben. Vielleicht werden dann auch Details der historischen Flagge aufgegriffen. Diese stellt auf grünem Grund einen steigenden, blau gekrönten Löwen dar. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Darstellung des Wappentiers der Landgrafschaft Hessen, erklärt Prof. Dr. Lars Adler, Archivdirektor des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt.

Die großen Märkte mit Privileg des Landesherrn dürften vor allem als Vorläufer von Jahrmärkten und Kerb zu sehen sein. Aber damals, so ist es in dem Beitrag von Gudrun Senksa zu lesen, finden ebenfalls schon Wochenmärkte in Rüsselsheim statt. Auf diesen bieten insbesondere die Landwirte der Stadt und des direkten Umlandes ihre Waren zur alltäglichen Versorgung an. Seit Oktober 1634 sind solche Märkte im evangelischen Kirchenbuch nachweisbar.

Besuche im Museum sind wieder möglich


Neben der Marktfahne sind im Museum viele weitere anschauliche Objekte zur Rüsselsheimer Stadtgeschichte zu sehen. Für den Besuch gelten die Vorgaben des aktuell gültigen Hygiene- und Schutzkonzeptes. Weitere Details gibt es hier: www.museum-ruesselsheim.de/ihr-besuch-im-stadt-und-industriemuseum/covid-19.html.

Verbinden lässt sich der Museumsbesuch beispielsweise mit dem Einkauf auf dem Wochenmarkt in der Innenstadt. Dienstags ist das Museum ab 9 Uhr geöffnet, samstags ab 10 Uhr.


 

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