Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

16.08.2021

Stadt Rüsselsheim verlangt Auskunft zu neuer Flugroute im Segmented Approach

Eigentlich sollte es nur in den Nacht- und Randstunden des Flughafenbetriebs zum Einsatz kommen. Doch das so genannte „segmentierte Anflugverfahren“ (Segmented Approach) wird seit März diesen Jahres auch tagsüber angewendet. Geflogen wird in dem neuen Verfahren eine deutlich verkürzte Strecke, die vor allem Bauschheim berührt. Aber auch die Stadtteile Böllensee und Innenstadt sind einer erheblich erhöhten Belastung durch Fluglärm ausgesetzt.

Oberbürgermeister Udo Bausch hat sich daher an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung und das Hessische Wirtschaftsministerium als Genehmigungsbehörde für den Flughafen und die Flugrouten gewandt und verlangt Auskunft. „Der Probebetrieb des neuen Anflugverfahrens zwischen 5 und 23 Uhr ist höchst bedenklich, denn es fehlt hierfür eine Rechtsgrundlage. Gerade aus Lärmschutzgründen wurde diese Möglichkeit nur für den Zeitraum zwischen 23 und 5 Uhr geschaffen“, sagt Bausch. Die Fluglärmkommission habe jedoch in ihrer Sitzung im März festgestellt, dass der Probebetrieb erheblich ausgedehnt wurde und nun auch tagsüber geflogen wird. Aus diesem Grund fordert Bausch vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung Auskunft.

Schon 2012 hat der Verwaltungsgerichtshof Kassel (VGH) festgestellt, dass dazu die bestehende Rechtsverordnung geändert oder eine neue Rechtsgrundlage erlassen werden muss. 2003 und dann erneut 2012 hatte sich der VGH mit dem Thema befasst. Festgehalten wurde, dass für eine zeitliche Ausdehnung der Anflüge neue gesetzliche Grundlagen geschaffen werden müssten. Die Einzelfreigaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) für derartige Anflüge betrachtet Bausch daher als höchst bedenklich. Die Stadt Rüsselsheim werde – so kündigte Bausch an – jeglichen Spielraum, den man habe, im Interesse der Bürgerinnen und Bürger und ihrer kommunalen Einrichtungen ausschöpfen. „Durch den Probebetrieb sollen offenbar Fakten für eine neue Flugroute geschaffen werden. Die Stadt Rüsselsheim am Main ist dadurch nicht nur erheblichem und nicht zumutbarem zusätzlichem Fluglärm ausgesetzt, die neue Route ist auch gefährlich. Am 10. Juli erst kam es zu einem Vorfall im Luftraum über Bauschheim, bei der sich zwei Maschinen viel zu nah kamen. Eine Maschine der China Southern Airline musste dabei ihren Landeanflug abbrechen und eine Schleife fliegen, um eine kritische Situation zu vermeiden, weil eine andere Maschine in geringem Abstand kreuzte“, sagt Bausch.

Doch nicht nur das Segmented Approach prangert Bausch an. „Obwohl seit März die neue Route über Bauschheim geflogen wird und es dort eine Fluglärm-Messstation gibt, geben weder das Umwelthaus noch Fraport Messwerte heraus. Wir werden mit Hinweisen auf die personellen Ressourcen abgespeist und auf den Aufwand hingewiesen“, erklärt Bausch zu der Antwort der Fraport. Einen Messbericht wolle die Fraport erst nach Abschluss der Testphase Ende September vorlegen.

Eine weitere Lärmquelle für Rüsselsheim resultiert aus den Abweichungen von der Südumfliegung. „Selbst das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen sieht hier ‚deutliche Überschießer‘“, sagt Bausch. Rund 227 solcher Ausreißer habe es allein in 2020 gegeben.

Um die Auswirkungen der zusätzlichen Lärmbelastung  für Rüsselsheim besser einschätzen zu können, hat Bausch sich außerdem an den Präsidenten des Umweltbundesamts, Prof. Dr. Dirk Messner, gewandt. „Mir liegt an entsprechenden Messungen und einer Begutachtung der Lärmauswirkungen des Segmented Approach-Verfahrens. Dabei muss auch der bereits vorhandene Lärm durch andere Lärmquellen, beispielsweise Straßen- und Schienenverkehr, zu einer Gesamtlärmbetrachtung mit einbezogen werden“, sagt Bausch. Rüsselsheim benötige hier dringend fachliche Unterstützung, um sich gezielt gegen den neuen Probebetrieb des Segmented Approach zu wehren.

 

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