Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

23.06.2022

Ukrainische Künstlerin Daria Kolesnyk zieht in den „freiraum f³“

Foto: Künstlerin Daria Kolesnyk im offene Atelier „freiraum f³“ (Foto: Stadt Rüsselsheim am Main)

Das offene Atelier „freiraum f³“ in der Frankfurter Straße hat ab sofort eine neue Nutzerin: Die 20-jährige ukrainische Malerin Daria Kolesnyk nutzt die Räumlichkeiten im Rahmen einer vierwöchigen Kunstresidenz. „Der Anlass ist freilich ernst“, so Bürgermeister Dennis Grieser. Er führt weiter aus: „Daria Kolesnyk floh mit ihrer Familie in den ersten Kriegswochen aus der Ukraine nach Deutschland. Über eine Zwischenstation in Mainz gelangte sie schließlich nach Rüsselsheim und fand hier, dank der Unterstützung durch „Rind“-Betreiber Florian Haupt, in einer Einliegerwohnung des Kulturzentrums ihr neues Zuhause. Nach ihrer Ankunft bemüht sich Daria Kolesnyk nun, ihr Kunststudium aus der Ferne abzuschließen. Die Residenz im „f3“ soll ihr dazu den nötigen Freiraum bieten.“

Ihrer Begeisterung für Bildende Kunst konnte Daria Kolesnyk bereits seit ihrem achtes Lebensjahr an der Kinderkunstschule in Charkiw nachgehen. Nach ihrem Schulabschluss begann sie ein Kunststudium mit Schwerpunkt Malerei an der renommierten Staatlichen Akademie für Design und Kunst in Charkiw. In ihren Werken arbeitet Daria Kolesnyk überwiegend mit Ölfarbe auf Leinwänden, sie experimentiert aber auch mit digitaler Kunst.

Die persönlichen Erlebnisse des Überfalls auf die Ukraine und der eigenen Flucht haben auch ihr Kunstschaffen beeinflusst. Es gehe nun darum, so Daria Kolesnyk, „die Emotionen einer ganzen Nation, die jetzt um ihre Freiheit und ihr Existenzrecht kämpft, auf die Leinwand bringen.“ Sie verstehe ihre Arbeit als eine Form der Zeugenschaft über die Wahrhaftigkeit des Krieges: „Meine Aufgabe als Künstlerin ist es, den Betrachter zum Nachdenken über die Geschehnisse anzuregen, um zu erkennen, dass das, was scheinbar ‚irgendwo da draußen‘ passiert, jedem etwas passieren kann. Und es ist viel näher, als man vielleicht denkt.“

Im Verlauf ihrer vierwöchigen Residenz im Freiraum möchte Daria Kolesnyk neue Motive entwickeln und vor allem ihr Examensprojekt für den Bachelorabschluss in Charkiw fertigstellen. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden im Rahmen einer kleinen Ausstellung in „f3“ präsentiert.

Mit dem 2021 eröffneten „freiraum f3“ stellt die Stadt Rüsselsheim ein zentral gelegenes Atelier kostenfrei zur Verfügung, in dem Künstlerinnen und Künstler arbeiten und ihre Werke präsentieren können. Die offenen Schaufensterfronten erlauben Einblicke in den künstlerischen Schaffensprozess. Auch Besuche im Atelier sind während der Öffnungszeiten möglich. Im „freiraum“ sollen sich Kunstschaffende und Anwohnerinnen und Anwohner begegnen und austauschen können. Daria Kolesnyk ist die fünfte Nutzerin, die in das offene Atelier einzieht. Sie löst die Stuckateurin und bildende Künstlerin Charlotte Bauer ab. In ihrer sechswöchigen Residenz stellte Bauer unter anderem Werke für ihr Diplomstudium fertig, bei denen sie mit Gips und Ton arbeitete. Charlotte Bauer blickt mit Begeisterung auf ihre Zeit im Atelier zurück: „Das Projekt Freiraum f3 ist eine Bereicherung für die Kunst und Kulturszene in Rüsselsheim. Es ist für mich eine tolle Chance gewesen um meine Werke zu zeigen und die Außenwelt an meinen Ideen teilhaben zu lassen.“

Bürgermeister und Kulturdezernent Dennis Grieser betont die Erfolgsgeschichte dieses Modellprojekts: „Mit der Idee, einen offenen Kunstraum entstehen zu lassen und lokale wie überregionale Künstlerinnen und Künstler einzuladen, in der Stadt zu arbeiten, setzen wir erfolgreich Ansätze aus dem Rüsselsheimer Kulturprofil um. Die Stadt stellt jungen Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern die oft dringend benötigten Arbeitsräume zur Verfügung. Zugleich haben wir einen Ort kultureller Begegnung im Stadtzentrum geschaffen. Das ist ein großer Gewinn für Rüsselsheim. Wir freuen uns, dass dieser Raum schon jetzt viel Zuspruch erhält und so vielfältig angeeignet wird.“

Weitere Residenzen im „freiraum f3“ sind bereits vorgesehen. Das nächste Projekt findet im Rahmen von „Kultur im Sommer“ statt: Dann lädt die Rüsselsheimer Förderstipendiatin Tamara Dauenhauer vom 24. bis 26. Juli zu einer „Community Installation“ mit dem Titel „STADT – LAND – ICH“ ein.

 

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