Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

09.09.2022

Abschlussveranstaltung des Großen Frankfurter Bogens 2022: Rüsselsheimer Stadtentwicklung als Modellprojekt

Foto (v.l.n.r.): Markus Eichberger (NHW), Pia A. Döll (bdia), Simone Bücksteeg (AKH), Tarek Al-Wazir  (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen), Nils Kraft (Stadt Rüsselsheim am Main), Dr. Axel Tausendpfund (VdW), Jakob Sturm (Kreative Räume), Monika Slomski (AHK), Annelie Bopp-Simon (AHK) (Foto: Stadt Rüsselsheim am Main)

Unter dem Motto „Wohnen zusammen erleben“ haben über den Sommer 25 Städte und Gemeinden zahlreiche Projekte präsentiert, die zeigen, wie die Zukunft des Wohnens in der Region des Großen Frankfurter Bogens (GFB) aussehen kann. Am vergangenen Freitag (2. September) fand nun im Opel-Altwerk unter Beteiligung des Hessischen Ministers für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen Tarek Al-Wazir die Abschlussveranstaltung mit der Stadt Rüsselsheim am Main als Gastgeberin und der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) als Kooperationspartnerin statt. Die Stadt Rüsselsheim stellte dabei urbanes Wohnen und Arbeiten in den Mittelpunkt.

„Das Opel-Altwerk, in dem wir uns befinden, und die von Stellantis zum Verkauf angebotenen Opelflächen bieten enorme Chancen und Herausforderungen für eine moderne und nachhaltige Stadtentwicklung. Bei der Entwicklung von über 120 Hektaren genügt es heute nicht mehr, sich nur mit der Frage künftiger Nutzungen auseinander zu setzen. Wir müssen klären, wie wir künftig leben und arbeiten wollen, und unter welche Rahmenbedingungen wir dies langfristig müssen. Dieser Sommer hat uns erneut gezeigt, dass wir nicht wie bisher so weiter machen können. Wir müssen den Umgang mit sämtlichen Ressourcen überprüfen und unsere Lebensweise auf den Prüfstand stellen“, sagte Rüsselsheims Stadtrat Nils Kraft. In seiner Begrüßung der knapp 80 anwesenden Teilnehmenden aus Politik, Stadtplanung, Architektur und interessierten Bürgerinnen und Bürgern betonte Kraft den Umstand, dass Rüsselsheim eine Vielzahl an Praxisbeispielen mit Modellcharakter aufweise. „Gerade die freien Opel-Flächen zeigen das Potenzial für urbanes Wohnen und Arbeiten auf bereits genutzten Flächen und teils in vorhandenen Gebäudestrukturen“, so Kraft. In Gänze oder in einzelnen Aspekten könne diese Entwicklung beispielgebend für andere Kommunen sein.

Minister Al-Wazir nahm in seiner Begrüßung diesen Faden auf. Auch er sehe in den ehemaligen Opelwerksflächen eine große Herausforderung – aber auch große Chancen: „Ich bin überzeugt, dass die Entwicklung dieses Areals richtig Schwung in die Stadt bringen wird. Hier schlummert großes Potenzial. Auch für den schonenden Umgang mit Flächen und Ressourcen kann ihre Entwicklung ein Vorbild sein“, so der Minister. Als wichtigstes Ziel nannte er bezahlbaren Wohnraum in lebenswerten Quartieren. Dafür bedürfe es auch einer guten sozialen Mischung der Bewohnerinnen und Bewohner - es müsse von der Sozialwohnung über die frei finanzierte Mietwohnung bis zur Eigentumswohnung für alle etwas dabei sein.

Wie eine gute Quartiersentwicklung im innerstädtischen Umfeld gelingen könne, darüber berichtete Markus Eichberger, Leiter des Unternehmensbereichs Stadtentwicklung bei der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte |Wohnstadt (NHW) in einem Impulsvortrag. Als ehemaliger Leiter der Stadtplanung der Stadt Offenbach weiß er besonders um die komplexe Aufgabe, die die Stadt Rüsselsheim erwartet. Das Ziel sei es, lebendige, anpassungsfähige und multifunktionale Quartiere zu entwickeln. Hierzu warb er für die Anwendung der Neuen Leipzig Charta, die Stadtentwicklung als integriertes Konzept begreift. Dabei würden ganz unterschiedliche Aspekte, wie betriebswirtschaftliche Überlegungen, Mobilität, Nachbarschaft, Freizeit- und Sportangebote, energetische Standards oder auch Digitalisierung gesamtheitlich betrachtet und zusammengeführt. Um schließlich von der Vision auch zur Realisierung zu kommen, stellte er verschiedene Bausteine vor. Dabei plädierte Eichberger dafür, Flächen auch zwischenzunutzen und Platz für Kreative zu schaffen: „Sie bespielen Räume und zielen auf die Menschen. Sie sind Pioniere und gleichzeitig Schrittmacher, die helfen, andere anzuziehen und können im Idealfall dazu beitragen, Zwischennutzungen zu verstetigen.“

Mit diesem Impuls im Rücken diskutierte im Anschluss ein vierköpfiges Podium unter der Moderation von AKH-Vorstandsmitglied Simone Bücksteeg ihre Ideen zur Stadtentwicklung. Sie alle einte die Vorstellung, dass die Zukunft des Wohnens in der Nutzungsmischung und der Abkehr von der strikten Trennung von Wohn- und Arbeitsstätte liege. Dr. Axel Tausendpfund, Verbandsdirektor des Verbands der Wohnungswirtschaft (VdW) Südwest sprach Rüsselsheim dabei großes Glück zu, da die Flächen und ihrer Lage das genau zuließen. Auch Jakob Sturm von „Kreative Räume“ sah in der Kreativbranche einen wichtigen Pionier und betonte, dass Kreative immer gut seien, bestehende Flächen und Gebäude zu entwickeln. Die Motorworld gehe hier mutig voran und sei dafür ein gutes Beispiel. Annelie Bopp-Simon, Vizepräsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, berichtete von einem Déjà-vu. Vieles erinnere sie an eine 15 Jahre zurückliegende Erfahrung mit der erfolgreichen Entwicklung einer rund 50.000 Quadratmeter großen denkmalgeschützten „Richthalle“ der Deutschen Bundesbahn in Limburg. Unter anderem sei dies deshalb gelungen, weil die örtliche Politik an einem Strang zog und sich ein Investor in hohem Maße mit dem Projekt identifizierte. Ganz auf der Linie der Neuen Leipzig Charta mahnte zum Schluss Pia A. Döll, Präsidentin des Bundes Deutscher Innenarchitekten, die Beteiligten der Rüsselsheimer Stadtentwicklung, integriert zu denken, sich zu vernetzen und interdisziplinär zu arbeiten. Die Veranstaltung endete mit der Eröffnung der Ausstellung „Blitzlicht Innenarchitektur“ des Forums Innenarchitektur der AKH.

 

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