Rüsselsheim Rathaus

10.09.2018

Grieser legt Konzept zu Personalgewinnung und -bindung im Kitabereich vor

Der oft beklagte Fachkräftemangel in Deutschland macht sich nicht erst seit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung in den Kitas und der U3-Betreuung bei Erzieherinnen und Erziehern bemerkbar. Gleich mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen will der Rüsselsheimer Magistrat daher neues Personal für die städtischen Kitas gewinnen und die Beschäftigten auch an die Stadt binden und legt dazu den Stadtverordneten eine Beschlussvorlage vor.


„Wir legen einen bunten Strauß an Maßnahmen vor, die zu qualitativen Verbesserungen im Arbeitsumfeld der Erzieherinnen und Erzieher führen sollen. Es geht dabei auch um Geld, aber es geht nicht nur um Geld. Und ich glaube, dass der finanzielle Teil nicht das Wichtigste daran ist“, erklärt Bürgermeister und Bildungsdezernent Dennis Grieser einführend. „Vielmehr geht es um Wertschätzung und Anerkennung der frühkindlichen Bildungsarbeit in den Kitas und um die Sicherung beziehungsweise Verbesserung der Qualitätsstandards“, betont Grieser. So hat sich der Magistrat auch Gedanken zum präventiven Gesundheitsschutz gemacht und will flächendeckend ergonomische Arbeitsplätze für die Beschäftigten in allen Kitas schaffen. „Rückenprobleme sind längst eine Volkskrankheit. Und die Zeiten, in denen Erzieherinnen und Erzieher auf den kleinen Kinderstühlchen oder mit einem Stuhl für Erwachsene an den Kindertischen sitzen, sollten definitiv vorbei sein“, erläutert Grieser.


Einige Dinge konnte der Magistrat in eigener Zuständigkeit selbst auf den Weg bringen. So wurde bereits das Übernahmeverfahren für Erzieherinnen und Erzieher im Anerkennungsjahr optimiert, inklusive Verzicht auf eine sechsmonatige Probezeit. Auch wird die Berufserfahrung bei der Stufenlaufzeit externer Bewerbungen mittlerweile anerkannt, und auch die Einführung eines Job-Tickets wird geprüft. „Wir sichern aber auch Fortbildungen qualitativ ab, sodass die Beschäftigten am Puls der Zeit bleiben“, sagt Grieser. Darüber hinaus hat der Magistrat eine Überprüfung der tariflichen Eingruppierung veranlasst. „Eine Arbeitsgruppe prüft derzeit, ob eine Höhergruppierung in die Entgeltgruppe S 10 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) möglich ist“, sagt Grieser.
Sollte die Höhergruppierung aus tarifrechtlichen oder wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar sein, setzt der Magistrat auf finanzielle Anreize in Form einer Zulage. Ab dem Haushaltsjahr 2019 soll es in diesem Fall eine finanzielle Zulage von monatlich 100 Euro geben können, die dazu erforderlichen Mittel von 390.000 Euro sind für den Haushaltsplanentwurf 2019 bereits angemeldet.


Folgt die Stadtverordnetenversammlung der Vorlage des Magistrats werden auch die so genannten „Leerstellen“ im Haushaltsplan erhöht. Sie werden benötigt, um bei der immer wieder vorkommenden Fluktuation sowie Elternzeiten Stellen schnell und unbefristet besetzen zu können. „Bei der angespannten Situation auf dem Personalmarkt findet man so gut wie keine Erzieherinnen und Erzieher, die eine befristete Stelle antreten. Die Leerstellen bieten hier eine Alternative. Sie sollen ab dem Jahr 2019 im Stellenplan dem Kitaausbau entsprechend mit einem Anteil von 20 Prozent dynamisch angepasst werden. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass auch diese Maßnahme kostenneutral ist“, erläutert Grieser. Zudem soll die Anzahl der Stellen für Integrationskräfte in den Kitas erhöht werden. Eine Maßnahme, die für die Stadt Rüsselsheim am Main ebenfalls kostenneutral ist, da sie auf Grundlage der „Rahmenvereinbarung Integration“ vom Kreis Groß-Gerau getragen werden. In Anpassung an den allgemeinen Kitaausbau und die Entwicklungen im Bereich Inklusion soll grundsätzlich mit einem Anteil von 15 Prozent an Fachkraftstellen geplant werden. Eine deutliche Verbesserung für Grieser.  Die Stadt Rüsselsheim am Main will sich außerdem als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Für ein Personalmarketing zur Anwerbung von Fachkräften ist für den Haushalt 2019 ein Budget von 30.000 Euro vorgesehen. Arbeiten möchte der Magistrat auch mit einer Anwerbeprämie, wenn städtische Beschäftigte neue Kolleginnen und Kollegen gewinnen. 25.000 Euro sind dafür für den Haushalt 2019 angemeldet.


Die finale Entscheidung über das Maßnahmenpaket treffen die Stadtverordneten, denen die Vorlage für die kommende Beratungsrunde zugeht. Mit der Drucksache schlägt der Magistrat zudem vor, weitere Anreize und Maßnahmen zur Personalgewinnung und -bindung im Kitabereich zu prüfen. Beispielswiese eine generelle Zulage für Leitungen, ein Personalkonzept für Notfallpläne (Springerinnen und Springer), die Neukonzipierung des Stipendiums für angehende Erzieherinnen und Erzieher, mehr Praxisentgelt für die Sozialassistentinnen und -assistenten in Ausbildung oder die Anwerbung von Fachpersonal aus dem Ausland.

 

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