Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

19.11.2019

Konzept zeigt der Stadtverwaltung Wege auf, Klimaschutz und Mobilität zu vereinen

Die Rüsselsheimer Stadtverwaltung hat ein Mobilitätskonzept erstellt, das helfen soll, ihre Mobilität auf Arbeits- und Dienstwegen umwelt- und klimafreundlich sowie effizient und kostensparend zu gestalten. Jetzt hat sich der Magistrat damit auseinander gesetzt und empfiehlt, die darin enthaltenen Maßnahmen umzusetzen. Um die Umsetzung zu unterstützen, soll sich die Stadtverwaltung durch die IHK Darmstadt-Rhein-Neckar zertifizieren lassen. „Die Stadt Rüsselsheim am Main hat ein Mobilitätskonzept entwickelt, dass einen wichtigen rathaus-eigenen Beitrag zum Klimaschutz leistet und gleichzeitig die Erreichbarkeit für ihre Beschäftigten sichert“, erklärt Marianne Flörsheimer, zuständige Dezernentin für Mobilitäts- und Verkehrsentwicklung sowie Lärmabwehr und Klimaschutz.

Kern des Mobilitätskonzepts sind eine Vielzahl an Vorschlägen, die sich in sechs Handlungsfelder gliedern. Dazu gehören die Förderung des Rad- und des Fußverkehrs sowie des Öffentlichen Personen- und Nahverkehrs (ÖPNV), aber auch die effizientere Nutzung von Pkw sowie verbesserte Kommunikations- und organisatorische Maßnahmen. Insgesamt hat die Stadtverwaltung 22 Maßnahmen anhand einer dreistufiger Skala erfasst, mit der sie den aktuellen Umsetzungsstand (Status Quo), die Zeit-Perspektive für eine Umsetzung (kurz- bis langfristige Perspektive) und die Umsetzungspriorität (hoch, mittel, gering) bewertet.

Mit hoher Priorität möchte die Stadtverwaltung beispielsweise im Handlungsfeld Radverkehr Diensträdern anschaffen, die Einführung von Fahrradleasing (Jobrad) prüfen und die Abstellbedingungen für Fahrräder verbessern. Um den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern, zählt für sie die Einführung eines Jobtickets ebenfalls zu den Maßnahmen mit hoher Priorität. Der Zugang zu und die Buchung von Dienstfahrzeugen, die in Kürze um fünf Elektroautos ergänzt werden, soll ebenfalls mit hoher Dringlichkeit verbessert werden. Und, um den Prozess zu unterstützen und zu verstetigen, wird mittelfristig eine Mobilitäts- oder Klimaschutzbeauftragte oder ein -beauftragter  gefordert (Handlungsfeld Organisation).


Die methodische Grundlage für die verkehrliche Analyse beruht dabei auf drei Säulen. Zunächst wurden betriebliche und verkehrliche Rahmenbedingungen untersucht. In einer Wohnstandortanalyse hat sich die Stadt die Mobilitätsmöglichkeiten ihrer Beschäftigten näher angesehen. Und im Rahmen einer rathausweiten Umfrage hat sie abschließend das tatsächliche Mobilitätsverhalten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter analysiert. Die wichtigsten Ergebnisse sind: Fuß- und Radverkehr haben hohe mögliche Weganteile, da viele Wege kurz sind: 41 Prozent der Beschäftigten wohnen weniger als fünf Kilometern entfernt von ihrer Dienststelle, bei etwas mehr als der Hälfte (52 Prozent) der Dienstgänge beträgt die Wegstrecke weniger als drei Kilometern. Allerdings werden außerordentlich viele Dienstgänge mit dem Pkw erledigt (81 Prozent). Auch in Punkto Fahrt hin zur Arbeitsstätte und zurück wird das Auto stark genutzt (71 Prozent). Öffentliche Verkehrsmittel werden dagegen wenig genutzt, obwohl die Ausgangsbedingungen gut sind. Die Ursachen werden an der Tarifstruktur, beziehungsweise am Fehlen eines Jobtickets festgemacht. Zusammenfassend erklärt Mobilitätsdezernentin Flörsheimer: „Bei der Analyse der Mobilität für die Stadtverwaltung  hat sich herausgestellt, dass der Fokus der Maßnahmen für Arbeitswege auf einer Förderung der Mobilität per Rad und ÖPNV liegen sollte und für die Dienstwege auf Maßnahmen des Fuß- und Radverkehrs.“ Gleichzeitig sollten Maßnahmen zu einer effizienteren Pkw-Nutzung ergriffen werden (beispielsweise durch den Einsatz von Dienst-Pkw oder die Bildung von Fahrgemeinschaften).

Um schnell Erfolge verbuchen zu können, empfiehlt das Mobilitätskonzept, sich der Erfahrung anderer Mobilitätsmanagement-Prozesse zu bedienen. Eine wichtige Erkenntnis: sich zunächst eine überschaubare Zahl kleinerer, vergleichsweise leicht zu realisierender Maßnahmen aus der Prioritätsstufe 1 vorzunehmen. „Basierend auf ersten Erfolgen können dann in einem zweiten Schritt und verteilt auf mehr Schultern die größeren Projekte angegangen werden“, erklärt Marianne Flörsheimer. Um die Maßnahmen verbindlicher umzusetzen, soll der Prozess mit einem zweistufigen Zertifizierungsverfahren der IHK Darmstadt Rhein-Main-Neckar begleitet werden. Hierzu ist für die Erst-Zertifizierung die Vorlage eines Mobilitätskonzeptes bei der IHK erforderlich sowie ein umfangreiches Beratungsgespräch. Das auf dieser Basis ausgestellte Zertifikat („vorbildlich mobil“) ist drei Jahre gültig. Für die Folgezertifizierung wird eine überschaubare Anzahl an Maßnahmen für die Umsetzung binnen drei Jahre festgeschrieben. Konnten 65 Prozent der im Vorfeld definierten Maßnahmen erfolgreich realisiert werden, erhält die Stadt Rüsselsheim die Rezertifizierung. „Die Überreichung des Prädikats ‚vorbildlich mobil‘ wäre gut für die Außenwahrnehmung des Engagements der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und es ist bestimmt auch hilfreich, wenn wir es für Stellenausschreibungen oder für Nachhaltigkeits- und Klimaberichte verwenden“, so Flörsheimer.

 

Das Mobilitätskonzept entstand durch die Teilnahme der Stadt Rüsselsheim am Main an dem kostenfreien Beratungsprogramm zum betrieblichen Mobilitätsmanagement („südhessen effizient mobil“). Hiermit können öffentliche Verwaltungen und Unternehmen passgenaue Maßnahmenkonzepte für ihre betriebliche Mobilität entwickeln. Der Gesamtprozess wurde unterstützt von der ivm GmbH als regionale Gesellschaft für integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement in Kooperation mit dem RMV, den Industrie- und Handelskammern, den lokalen Nahverkehrsgesellschaften sowie den Städten und Landkreisen der Region. Die fachliche Projektbegleitung erfolgte durch das Planungsbüro Mobilitätslösung aus Darmstadt. Nach der Zustimmung des Magistrats müssen nun noch die Stadtverordneten darüber entscheiden.  


 

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