Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

27.02.2020

Oberbürgermeister Bausch bei Fachgespräch Automotive: „Rüsselsheim ist Testlabor für E-Mobilität“

Foto: Reinhard Ebert (Leiter Umweltamt/Electric City), Oberbürgermeister Udo Bausch und Segula-Geschäftsführer Dr. Martin Lange beim Fachgespräch Automotive (Fotografin: Isabella Groth)

Die Stadt Rüsselsheim hat Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Entwicklung, Wissenschaft und Industrie zum Fachgespräch Automotive geladen. Rund 40 Teilnehmende kamen hierfür zum Firmensitz von SEGULA Technologies. Der Entwicklungsdienstleister hat 2019 seinen deutschen Hauptsitz in Rüsselsheim eröffnet. Zur Begrüßung sagte Oberbürgermeister Udo Bausch: „Das Thema Mobilität steht für die Stadt an oberster Stelle. Nicht nur als Standort für verschiedene Automotive-Unternehmen und mit großen Kompetenzen bei der Forschung und Entwicklung hat Rüsselsheim ein großes Interesse sich zu diesem Thema auszutauschen. Mit Electric City hat die Stadt selbst ein starkes Projekt auf den Weg gebracht, mit dem wir den Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität wie keine andere Stadt in Deutschland voranbringen wollen. Dabei wollen wir auch die großen Player, die Mobilität Tag und Nacht denken, einbeziehen und uns über die Entwicklungen im Bereich Automotive austauschen.“

Zu Beginn gab Segula-Geschäftsführer Dr. Martin Lange, einen Überblick über die Aktivitäten des neuangesiedelten französischen Entwicklungsdienstleisters. Segula hat Anfang 2019 bekanntgegeben, Teile des Entwicklungszentrums von Opel übernehmen zu wollen. Im September 2019 wurde der Betrieb des SEGULA Entwicklungs-Campus in Rüsselsheim aufgenommen. Segula wurde 1985 als Familienunternehmen in Frankreich gegründet und ist in mehr als 30 Ländern an Forschungs- und Innovationsprojekten in unterschiedlichen Sektoren beteiligt. In Rüsselsheim liegt der Schwerpunkt der Entwicklungsarbeit im Automobil-Sektor. Darüber hinaus entwickelt Segula aber auch technische Lösungen für die Bereiche Luft- und Raumfahrt, den Schienen- und Schiffsverkehr sowie für den Energie-und Pharma-Sektor. In Rüsselsheim hat Segula ein bestens ausgestattetes Entwicklungszentrum übernommen, in dem die gesamte Fahrzeug- und Antriebsentwicklung bis hin zur Prüfung und Validierung abgedeckt werden kann. „Das sind beste Voraussetzungen für den Unternehmensstandort in Rüsselsheim“, betonte Dr. Lange.

Die Lage im Rhein-Main-Gebiet mit der Nähe zum Frankfurter Flughafen und einer sehr hohen Dichte an Automobil-Herstellern und Lieferanten sind gute Voraussetzungen für die Entwicklung auf dem deutschen Markt. Zudem möchte Segula den Entwicklungs-Campus auch für mögliche Partner öffnen und Infrastruktur zur Verfügung stellen, um gemeinsam Technologie-Themen voranzubringen.

Oberbürgermeister Udo Bausch bekräftigte seine Unterstützung beim Vernetzen innerhalb der Branche, aber auch mit der Hochschule und Akteuren in der Politik. „Wir wollen in Rüsselsheim insbesondere das Thema E-Mobilität pushen. Mit Electric City schaffen wir die Bedingungen direkt hier in der Stadt, um das Thema in der Praxis zu erproben. Rüsselsheim ist sozusagen ein Testlabor für E-Mobilität. Denn neben der Antriebstechnologie werden auch die Energieversorgung und das Nutzungsverhalten der E-Autofahrerinnen und –fahrer für diese Mobilitätsform spannende Themen in Zukunft sein. Von diesem Wissen sollen Automotive-Unternehmen genauso profitieren wie auch andere Kommunen, die jetzt ebenfalls ihre Infrastruktur ausbauen wollen“, sagte der Rathauschef.

Zu Electric City hielt Reinhard Ebert, Leiter des Rüsselsheimer Umweltamts und Projektverantwortlicher, einen Vortrag über den derzeitigen Projektstand. Insgesamt erhalte die Stadt 16 Millionen Euro als Fördersumme, um ein breites Netz an Ladepunkten zu schaffen. Geplant sind rund 1.600 Ladepunkte, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Derzeit laufe die Ausschreibung für eine Firma, die sowohl den Aufbau und die Stromversorgung als auch hinterher die Wartung und Kundenbetreuung für die Ladestationen übernimmt. Dabei soll die Energie zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien kommen. Er rechnet damit, dass mit dem Aufbau im Sommer 2020 begonnen werden könne. Begleitet wird das Projekt auch wissenschaftlich, um zu erfahren, welchen Einfluss Elektromobilität auf das lokale Stromnetz haben wird, welche Netzbelastungen es zu unterschiedlichen Zeiten geben wird, welche Ladepunkte-Standorte wie häufig genutzt werden. Bereits erhoben worden seien, welche Orte in Rüsselsheim besonders häufig von Parkplatzsuchenden angesteuert werden und welche Routen dabei genommen werden. Zudem wurde die Internetseite www.electric-city-ruesselsheim.de eingerichtet, um Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich zu den Standorten für die Ladepunkte zu äußern.

Beim Fachgespräch rief Oberbürgermeister Udo Bausch auch dazu auf, dass sich die Unternehmen beteiligen und ihre Bedarfe melden können. Neben Electric City plant die Stadt zudem das Projekt MobilitätsWerkStadt 2025. Unter diesem Namen will die Stadt ein Konzept erarbeiten und umsetzen, bei der es um die Verknüpfung verschiedener Mobilitätsformen gehen soll und ebenfalls eine breite Beteiligung erwünscht ist. Auch die Digitalisierung des öffentlichen Verkehrs sowie die Beschaffung von elektrischen Fahrzeugen für die Stadtverwaltung sind weitere Anstrengungen auf dem Gebiet der Mobilitätsentwicklung, die die Stadt angehen will.

In der anschließenden Diskussion interessierten sich die Teilnehmenden dafür, wie man damit umgehe, wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig Strom brauchen und ob Schnellladestationen geplant seien. Oberbürgermeister Udo Bausch verwies dabei auf weitere Investitionen in das Stromnetz. Ebert erläuterte außerdem, dass leistungsstarke Trafostationen angeschafft würden, die auch zu Spitzenzeiten ausreichend Strom verfügbar machten. Schnelladepunkte würden für Verkehrsteilnehmer, die auf eine schnelle Verfügbarkeit des Stroms angewiesen sind, ebenfalls geplant. Zudem sei man im Gespräch mit Tankstellen, um zu klären, inwieweit auch dort zusätzliche Angebote aufgebaut werden könnten. „Rüsselsheim wird ein starker Standort für Elektromobilität, es sind aber auch große Herausforderungen, vor denen wir stehen“, sagte Bausch zum Abschluss.

 

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