Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

15.10.2020

Oberbürgermeister trifft Handwerk: Ausbildung ist der Schlüssel zur Fachkräftegewinnung

Foto: Oberbürgermeister Udo Bausch hat sich mit Handwerksbetrieben zum Thema Ausbildung ausgetauscht (Foto: Stadt Rüsselsheim am Main)

Passend zum neuen Ausbildungsjahr hat Oberbürgermeister Udo Bausch im Rahmen seiner Reihe „Oberbürgermeister trifft Handwerk“ drei Ausbildungsbetriebe besucht. „Alle drei Betriebe bieten seit Jahrzehnten in ihrem Handwerkssparten Ausbildungsplätze an. Damit übernehmen sie auch soziale Verantwortung für die nächste Generation und setzen dem Fachkräftemangel etwas entgegen. Auch wenn es Betriebe derzeit nicht leicht haben, hoffe ich, dass viele Unternehmen in die Ausbildung ihrer Fachkräfte investieren. Denn nur mit geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Handwerk eine Zukunft“, sagte Oberbürgermeister Udo Bausch nach seinen Besuchen bei Edling&Schaeffter, Elektro Faust und Andel Baudekoration.

Die Firma Edling&Schaeffter bietet die Ausbildung zum Anlagenmechaniker oder Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik an. „Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll“, wie Inhaber Knut Schaeffter betont. „Das Berufsbild hat sich durch Themen wie moderne Heiz- und Klimatechnik aus regenerativen Energien gewandelt, und durch die Zusammenlegung dreier Ausbildungsberufe ist auch die Ausbildung in der Berufsschule komplexer geworden.“ Leider sinke aber gleichzeitig die Ausbildungsquote, wie auch Kai Schenkel, der Ausbildungsberater der Handwerkskammer Rhein-Main bestätigen kann. „Seit 2003 die Handwerksordnung geändert wurde, sind die Zahlen der Lehrlinge eingebrochen“, sagt Schenkel. Im vergangenen Jahr habe es nur sechs Ausbildungsabschlüsse im gesamten Kreisgebiet gegeben. Umso stolzer ist Schaeffter auf seine Auszubildenden, wenn sie erfolgreich ihren Gesellenbrief in der Tasche haben. Besonders auf einen seiner junger Auszubildenden ist Schaeffter stolz: „Der junge Mann kam aus Syrien nach Deutschland, musste erst noch die deutsche Sprache erlernen und konnte dann sogar seine Ausbildung mit einer 1,3 als Abschlussnote bestehen. Wir haben ihn im Betrieb dabei betreut und auch bei schulischen Themen unterstützt. Das hat sich gelohnt, denn heute ist er auch nach der Ausbildung ein sehr engagierter Mitarbeiter.“

Auch für Heike Faust von der Firma Elektro Faust ist die Begleitung der Auszubildenden eine soziale Aufgabe. Die Einbindung der jungen Menschen im Betrieb ist dabei ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Ausbildung, weil diese schnell selbst Verantwortung übernehmen würden. So werden die Auszubildenden von Anfang an mit auf die Baustelle genommen. Die meisten Lehrlinge hätten zuvor ein Schülerpraktikum gemacht, so verschaffe sich Faust einen Eindruck von den Jugendlichen. Hin und wieder übernehme die Firma auch Auszubildende von anderen Betrieben, wenn es bei der dortigen Ausbildung Schwierigkeiten gebe. „Wir bilden auch über unseren eigenen Bedarf aus. In die Ausbildung stecken wir Zeit, aber auch Geld. Trotzdem lohnt es sich, denn so kommen wir an die besten Leute“, sagt Faust. Auch wenn nicht alle Auszubildende nach der Lehre im Betrieb bleiben, so gehöre der erste Auszubildende des 1969 gegründeten Betrieb noch immer zum Team. Ein weiterer ehemaliger Auszubildende würde sogar für eine Geschäftsführung des Betriebs vorbereitet werden.

Gute Mitarbeitende über die Ausbildung zu gewinnen, ist auch das Anliegen des Maler- und Lackiererbetriebs Andel Baudekoration von Sascha Streun. Seine Firma habe in der Vergangenheit schon Aufträge ablehnen müssen, weil nicht ausreichend Fachkräfte zur Verfügung standen. Aber bei den Malern und Lackierer sei es nicht immer einfach, junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern. Schenkel von der Handwerkskammer kann es für diesen Ausbildungsberuf bestätigen, denn auch hier gebe es immer weniger Abschlüsse und die Betriebe seien gefragt, noch stärker um die Auszubildenden zu werben. „Da ist aber zusätzlich das Elternhaus gefragt. Die jungen Menschen müssen angeleitet werden, damit diese sich für handwerkliche Themen interessieren“, ergänzte Firmenchef Streun. Zum Teil müsse er nicht nur die jungen Leute, sondern auch deren Eltern überzeugen, bevor der Ausbildungsvertrag unterzeichnet werden kann. Aktuell hätte Streun noch einen Lehrlingsplatz zu vergeben und hofft, dass Ende des Jahres jemand bei ihm die Ausbildung zum Maler und Lackierer beginnt.

„Alle Betriebe nehmen Ausbildung ernst“, stellt Oberbürgermeister Udo Bausch fest. „Das finde ich sehr wichtig, denn Ausbildung ist der Schlüssel zur Fachkräftegewinnung. Dafür müssen sich die Unternehmen ins Zeug legen und aktiv um junge Menschen werben und sie auf ihrem Weg unterstützen. Gleichzeitig müssen wir die Vorteile einer Berufsausbildung deutlich machen. Die sehe ich vor allem in der guten Betreuung und Integration der Auszubildenden, die in kleinen Betriebe möglich ist. Zudem bietet das Handwerk enorme Aufstiegschancen, so kann man auch ohne Abitur nach der Ausbildung einen Meister machen und dann studieren.“ Für Rüsselsheim sei die Frage nach dem Fachkräftenachwuchs auch in Hinblick auf andere Themen wichtig. „In Rüsselsheim werden in den nächsten Jahren viele neue Bauprojekte anlaufen, aber auch bei Themen wie Smart-Home, Elektromobiltät oder Energie-Effizienz brauchen wir das Handwerk. Die Handwerksbetriebe bringen die passenden technischen Lösungen in die Häuser. Und dafür brauchen wir den Nachwuchs.“

 

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