Bild: Rathaus Rüsselsheim am Main

Presseinformationen

03.11.2020

Stadtverordnete erhalten drei Vorschläge zur Ansiedlung von IKEA zur Auswahl

Grafik 1: Variante A mit IKEA-Logistikzentrum (Stadt Rüsselsheim am Main/IKEA)Grafik 2: Variante B mit kleinteiligem Gewerbe (Stadt Rüsselsheim am Main/Albert Speer und Partner)Grafik 3: Variante C mit Kompromiss aus IKEA-Logistik und Gewerbe (Stadt Rüsselsheim am Main/IKEA)

Zur Vorbereitung eines Bebauungsplans für den nordwestlichen Randbereich der Stadt Rüsselsheim am Main hat der Magistrat drei verschiedene städtebauliche Varianten erarbeitet. Nun müssen die Stadtverordneten darüber entscheiden, wie es weitergeht: Soll auf dem rund 138.000 Quadratmeter großen Areal ein großes Logistik-Zentrum entstehen, ist ein kleinteiliges Gewerbegebiet doch die bessere Alternative oder ist der Kompromiss zwischen beiden Vorschlägen auch eine Option?

Hintergrund ist der Erwerb von Opel-Gewerbeflächen durch den schwedische Möbelherstellers IKEA im März 2019. Ziel des Unternehmens ist es, dort ein Warenverteillager für das Rhein-Main-Gebiet und angrenzende Regionen aufzubauen. Die geplante Ansiedlung eines Logistikzentrums für den Onlineshop des Möbel-Riesen stößt aber auch auf Widerspruch in der Stadt und den Nachbarkommunen. „Das ist auch nachvollziehbar, wenn man weiß, dass in der Stadtpolitik in den letzten zwei Jahrzenten immer Konsens herrschte, keine großflächige Logistik anzusiedeln: Zu viel Flächenverbrauch, zu viel Schwerverkehr. Nicht von ungefähr hat die Stadt bei den zuletzt entwickelten Gewerbegebieten ‚Blauer See‘ und ‚Alzeyer Straße‘ darauf verzichtet, ihre Flächen an große Logistik-Unternehmen zu vermarkten“, erklärt Stadtrat und Baudezernent Nils Kraft.

Nun legt er den Stadtverordneten drei Planungsvarianten zur Abstimmung vor. Bei Variante A handelt es sich um eine von IKEA erstellte Planung mit einer reinen Logistik-Lösung. Dabei würde das Planungsgebiet großflächig überbaut werden, Gebäude und Verkehrsflächen nähmen rund 111.000 Quadratmeter in Anspruch. Die Höhe des Warenlagers würde 32 Meter betragen. Nach vorläufigen Prognosen entstünden dort etwa 300 Arbeitsplätze, wovon der überwiegende Teil der Belegschaft im Lager arbeiten würde. Hinzu kämen rund 165 Auslieferungsfahrerinnen und -fahrer. Der Verkehr würde, so erste Hochrechnungen, um rund 1000 LKW-, Transporter- und Autobewegungen täglich wachsen.

Dem hat der Magistrat mit Unterstützung durch das Büro Albert Speer und Partner mit der Variante B eine kleinteilige und gewerblich höherwertige Entwicklung des Gebiets entgegengestellt. Danach soll sich dort produzierendes Gewerbe und Handwerk ansiedeln, die Gewerbeflächen zwischen 1.000 bis 10.000 Quadratmetern als Kombiflächen für Produktion, Büro und Lager benötigen. Die konkrete Vermarktung ist aber letztlich vom konkreten Flächenpreis abhängig, der unter anderem von den komplexen Erschließungserfordernissen vor Ort beeinflusst wird. Die Höhe der geplanten Gebäudeeinheiten beträgt vorwiegend weniger als acht Meter. Die Planer prognostizieren, dass durch die Ansiedlung von Kleingewerbe bis zu 900 Arbeitsplätze entstehen könnten. Zwar würde auch hier der Verkehr zunehmen (bis zu 3.000 Fahrzeugbewegungen täglich), allerdings entfiele dieser nicht auf Schwer- und Lkw-Transporte.
In enger Abstimmung mit IKEA ist schließlich noch die Variante C als Kompromiss entstanden. IKEA würde danach die Grundstücksfläche seines Logistik-Zentrums um etwas mehr als ein Viertel auf 102.000 Quadratmetern verkleinern, so dass rund 26.000 Quadratmeter für die Ansiedlung von Kleingewerbe entstünden. Die mittlere Verkehrszunahme wird auf 1.650 Fahrzeugbewegungen geschätzt (Lkw, Transporter und PKW), die Arbeitsplätze in Rüsselsheim könnten um bis rund 650 wachsen.

„Den Stadtverordneten obliegt mit ihrer Entscheidung eine große Verantwortung. Denn wenn sie erst einmal das Tor für die Ansiedlung eines Logistikzentrums in Rüsselsheim geöffnet haben, wird es schwierig gegenüber einer Landesplanung zu argumentieren, die den Kreis Groß-Gerau als großen Logistikstandort sieht, warum weitere Logistikansiedlungen dann nicht mehr gewünscht seien“, so Kraft. Um die Flächen künftig im Sinne der Stadt entwickeln zu können, ist daher eine städtebauliche Ordnung durch einen Bebauungsplan dringend erforderlich. Für den weiteren Verlauf erhofft sich Stadtrat Nils Kraft, dass die Stadtverordneten eine möglichst klare Entscheidung treffen „Je eindeutiger sie sich für eine der drei Varianten entscheiden, umso schneller können wir uns an die nächsten Planungs- und Arbeitsschritte machen“, so der Baudezernent. Dazu gehören insbesondere die Vorbereitung eines Aufstellungsbeschlusses und die frühzeitige Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange sowie der Öffentlichkeit.

 

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