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Kultur

Cinema Concetta und Dr. Günter Neliba (2002)

Die Kulturpreisträger des Jahres 2002 sind der Historiker Dr. Günter Neliba und die Stiftung Cinema Concetta.

Logo Cinema Concette
Dr. Günter Neliba

Mit seinen fundierten Recherchen und Veröffentlichungen, unter anderem über den Lynchmord an US-Kriegsgefangenen in Rüsselsheim, leistete Dr. Günter Neliba einen wichtigen Beitrag zur historischen Erinnerungskultur. Für sein ehrenamtliches Wirken wurde er 2005 mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Geboren 1925 in Mainz, verlor Neliba nach dem Zweiten Weltkrieg als französischer Kriegsgefangener beim Minensuchen beide Unterarme. Nach seiner Entlassung studierte er Deutsch und Geschichte in Frankfurt und unterrichtete später an zwei Rüsselsheimer Gymnasien. Erst im Ruhestand promovierte er über den NS-Innenminister Wilhelm Frick und veröffentlichte weitere Schriften zur NS-Zeit. Dr. Günter Neliba starb 2012 im Alter von 87 Jahren in seiner Heimatstadt Mainz. Sein Leben steht beispielhaft für den Wandel von persönlichem Schicksal zu gesellschaftlicher Verantwortung. 

Die Stiftung Cinema Concetta ging aus dem gleichnamigen Filmkollektiv rund um den Rüsselsheimer Künstler und Filmemacher Martin Kirchberger hervor, der 1991 gemeinsam mit 27 Mitwirkenden bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. 

Kirchberger war bekannt für seinen „scharfen Blick“, mit dem er in satirischen Kurzfilmen alltägliche Situationen präzise beobachtete und deren verborgene Absurdität sichtbar machte. Mit einfachen Mitteln und oft improvisierten Szenen hinterfragte er gesellschaftliche Strukturen wie Bürokratie, Konsum und Anpassung, ohne sie direkt zu kommentieren. Im Kollektiv Cinema Concetta prägte er einen experimentellen, gemeinschaftlichen Arbeitsstil, dessen Haltung sich auch im Logo des Kollektivs widerspiegelt: Der „scharfe Blick“ steht sinnbildlich für das genaue Hinsehen und das kritische Hinterfragen alltäglicher Wirklichkeiten. Diese Perspektive wirkt bis heute in der Arbeit der Stiftung Cinema Concetta und den Rüsselsheimer Filmtage fort. In seinem Andenken widmet sich die Stiftung seither gezielt der Förderung junger Talente im Bereich der satirischen Kurzfilmkunst und richtet jährlich die Rüsselsheimer Filmtage aus, das bedeutendste Festival für satirische Kurzfilme in Deutschland.

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