Besgen, 1931 in Ingelheim geboren, fand nach mehreren zeitbedingten Berufswegen zur Kunst. Nach einer schweren Erkrankung und einer beruflichen Zäsur zog sie sich für ein Jahr in die völlige Isolation auf Korsika zurück, wo sie in einer verfallenen Mühle lebte, zeichnete und malte. Erst vergleichsweise spät, im Alter von 50 Jahren, nahm sie ein Studium an der renommierten Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam auf, wo sie von 1980 bis 1984 Malerei und Grafik studierte. Zuvor hatte sie ab 1978 bereits frei an internationalen Kunstakademien gearbeitet, unter anderem in Carrara. Seit 1985 lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Rüsselsheim und ist mit ihren Ausstellungen in Sammlungen und Museen im In- und Ausland präsent.
In Rüsselsheim hat sie sich nicht nur als Künstlerin, sondern auch als engagierte Kulturakteurin einen Namen gemacht. Ihr Einsatz im Forum „50 Jahre danach“, ihr Eintreten für zeitgenössische, auch provokante Kunstformen sowie ihre ausgeprägte Diskussionsbereitschaft machen sie zu einer prägenden Stimme der lokalen Kulturszene. Über viele Jahre hinweg leitete sie zudem die Merian-Kunstschule, die sie als einen offenen Ort künstlerischer Begegnung und Entwicklung mitprägte.
Ihr Werk ist forschend angelegt, sowohl im Umgang mit Materialien als auch im Hinblick auf deren Entwicklungsmöglichkeiten. Es zeichnet sich durch eine experimentelle und zugleich tiefgründige Auseinandersetzung mit Inhalten aus, die bis hin zum Einsatz ungewöhnlicher Materialien wie Blei, Eisen oder Reifengummi reicht. Ihre Arbeiten sind dabei eng mit ihrer eigenen Vita verknüpft und aus ihr heraus entstanden.
Mit der Verleihung des Kulturpreises ehrte die Stadt eine Persönlichkeit, die weit über ihre Kunst hinaus wirksam ist - als kritische Stimme, als Impulsgeberin und als Vertreterin eines freien, lebendigen Kunstverständnisses.





