So lassen sie einen Teil des Grünschnitts von öffentlichen Flächen in einer speziellen Anlage in Pflanzenkohle umwandeln. Danach wird sie Substraten für Baum- und Strauchpflanzungen beigemischt, wie zuletzt unter anderem auf dem Spielplatz Jugenheimer Weg.
„Pflanzenkohle ist eine natürliche Lösung, um den Folgen des Klimawandels wirksam zu begegnen. Gemäß dem Schwammstadt-Prinzip können Böden mit Pflanzenkohle wie ein Schwamm Wasser aufnehmen und speichern – ganz gleich, ob das Wasser in Form von Schnee oder Regen auf den Boden trifft“, teilt Stadtrat Simon Valerius mit. Dies mache Städte widerstandsfähiger gegen Starkregen, Trockenperioden und Hitze. Zudem werde das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO₂) gebunden. „Innerhalb von gut zwei Jahren konnten Stadt und Städteservice 133 Tonnen CO₂-Äquivalente durch den Einsatz von Pflanzenkohle binden“, zieht Valerius Bilanz. Die Stadt habe hierzu auch ein Zertifikat erhalten. 133 Tonnen CO₂-Äquivalente entspreche einem Ausgleich des Kohlendioxid-Ausstoßes, der bei etwa 1,1 Millionen Autokilometern entsteht. Dies wiederum komme etwa 27 Umrundungen der Erde eines Verbrennermotors entlang des Äquators gleich.
Andreas Lier, Vorstand des Städteservices, weist auf weitere positive Effekte hin: „Pflanzenkohle verbessert die Bodenstruktur, fördert die Mikroorgansimen und unterstützt die Vitalität von Stadtgrün. Die Böden können mehr Wasser speichern, junge Bäume wachsen stabiler an und werden widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit.“ Dadurch reduzierten sich Kosten für die Baumpflege oder Ersatzpflanzungen für absterbende Bäume. Ein weiterer Effekt ist, dass ein Teil des Grünschnitts durch die Herstellung von Pflanzenkohle stofflich verwertet und in einen Stoffkreislauf zurückgeführt wird.
Stadtrat Valerius freut sich: „Mit der Kombination aus Klimaschutz, Bodenverbesserung und geschlossenen Stoffkreisläufen entsteht ein zukunftsorientiertes Modell, das auch für andere Kommunen wegweisend sein kann. Rüsselsheim zeigt damit, wie Städte ihren ökologischen Fußabdruck aktiv verkleinern, lokale Ressourcen sinnvoll nutzen und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit ihrer Grünflächen stärken können. Dies ist ein Modell für eine nachhaltige Stadtentwicklung mit Langzeitwirkung.“
Durch Pyrolyse zur Pflanzenkohle
Bei der Pyrolyse wird organisches Material unter Sauerstoffentzug verkohlt. Die entstandene Pflanzenkohle wird anschließend in Böden eingebracht und bindet den darin enthaltenen Kohlenstoff über Jahrhunderte. Auf diesem Weg entsteht eine der wenigen kommunalen Maßnahmen, mit denen Städte nachweislich so genannte „Negativemissionen“ erzeugen können. Da ein Großteil des Kohlenstoffs langfristig gespeichert bleibt, verbessert die Methode nicht nur den Boden, sondern hilft Treibhausgase zu reduzieren.
Mit dem Einsatz von Pflanzenkohle verbindet Rüsselsheim wirksamen Klimaschutz mit nachhaltiger Stadtentwicklung und setzt damit ein starkes Zeichen für eine lebenswerte Zukunft. Rüsselsheim zeigt damit, wie Klimaschutz vor Ort praktisch und dauerhaft gelingen kann.





