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Einen Bogen spannen mit "Leuchtenden Vorbildern"

Foto: Kunstwerk Leuchtende Vorbilder im Plenarsaal des Rüsselsheimer Rathaus

1998 gewann der Frankfurter Künstler Vollrad Kutscher den Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Rüsselsheimer Ratssaales. In seiner Arbeit "Einen Bogen spannen mit leuchtenden Vorbildern" setzte er sich mit der Topografie und den menschlichen Vorbildern der Stadt Rüsselsheim am Main auseinander, allen voran Adam und Sophie Opel. 

 

Idee Kutschers war und Intention des Kunstwerks ist es, den Dialog mit dem Ort und seinen Menschen zu fördern und einen wiederkehrenden Diskussionsprozess über das Selbstbild der Stadt Rüsselsheim am Main zu ermöglichen. In der Reflexion von beispielhaftem Handeln und Wirken bereits verstorbener Mitbürgerinnen und Mitbürger soll die intensive Auseinandersetzung mit bedeutenden Biografien und der Geschichte Rüsselsheims gefördert werden.

 

In der so genannten "Galerie aus Licht" installierte Kutscher 1998 insgesamt 14 Leuchten, die nach und nach mit in Miniaturmalerei aufgebrachten Portraits der ausgewählten Vorbilder versehen werden sollten. In einer Negativ-Projektion sind die jeweiligen Persönlichkeiten in Form von Schatten-Portraits der in der Galerie eingebrachten Persönlichkeiten entlang der Rückwand des Ratssaales abgebildet. Die Installation ist so angelegt, dass sie über einen Zeitbogen kontinuierlich erweitert wird. Alle drei Jahre kann die Installation im Ratssaal um ein weiteres „Leuchtendes Vorbild“ ergänzt werden. Die ersten beiden „Leuchtenden Vorbilder“, Adam und Sophie Opel, wählte Vollrad Kutscher selbst aus, in der Folge war im Rahmen des von Kutscher beabsichtigten Findungsprozesses die Bevölkerung gefragt. Alle Rüsselsheimer Bürgerinnen und Bürger können, als Einzelperson oder Gruppe, seither alle drei Jahre selbst Vorschläge einreichen.

 

Im Laufe des Prozesses um die Erweiterung des Kunstwerkes gab es zwei Jahre, in denen eine Einigung auf ein „Leuchtendes Vorbild“ nicht möglich war: 2007 und 2010. Im von 2001 bis zum Verfahren 2010 bestehenden, zweistufigen Auswahlverfahren zur Wahl eines „Leuchtenden Vorbildes“ hatte zunächst eine Jury, bestehend aus Kulturpreisträgerinnen und Kulturpreisträgern, getagt. Im Anschluss beriet im damals praktizierten Verfahren der Ältestenrat über den von den Kulturpreisträgerinnen und Kulturpreisträger ausgewählten Vorschlag, um diesen abschließend zu bestätigen.

 

Nachdem der Ältestenrat in den Jahren 2007 und 2010 dem Votum der Kulturpreisträgerinnen und Kulturpreisträger nicht folgen konnte, wurde im Dezember 2012 per Beschluss der Stadtverordnetenversammlung das Verfahren geändert und im Jahr 2013 erstmals in der neuen Form angewandt. Seither wählen Kulturpreisträgerinnen und Kulturpreisträger gemeinsam mit dem Ältestenrat das jeweilige „Leuchtende Vorbild“. Seit dem Jahr 2013 wird der ursprüngliche Turnus von drei Jahren fortgesetzt.

 

Die Jury beschloss im Jahr 2013 nach den Erfahrungen aus 2007 und 2010, dass zwei Stellen in der „Galerie aus Licht“ bis zur Vervollständigung des Kunstwerks vorläufig ohne Portrait bleiben sollen, um an die damals gescheiterten Findungsprozesse zu erinnern. Die Stadtverordnetenversammlung möge dann entscheiden, ob diese Plätze dauerhaft frei bleiben sollen oder anschließend belegt werden.

 

Zuletzt wurde die "Galerie aus Licht" um das "Leuchtende Vorbild" 2019 erweitert: Kostas Alexandridis. Damit ist er das siebte „Leuchtende Vorbild“ seit der Installation des Kunstwerkes im Jahre 1998. Neben Alexandridis sind die „Leuchtenden Vorbilder“ bislang: Adam und Sophie Opel (1998), Walter Rietig (2001), Luise Heßemer (2004), Herta Max (2013) und Dr. Günter Neliba (2016).  Im Rahmen einer öffentlichen Feierstunde am 20. November 2019 setzte Vollrad Kutscher eine Glaskappe mit Alexandridis‘ Portrait in die „Galerie aus Licht“ im Ratssaal des Rüsselsheimer Rathauses ein.  

 

Der Ausländerbeirat der Stadt Rüsselsheim am Main hatte Kostas Alexandridis als Vorschlag im Laufe des Verfahrens zur Auswahl eines „Leuchtenden Vorbilds“ 2019 eingereicht und somit den bereits bestehenden Vorschlag aus dem Jahr 2016, „einen der ersten bzw. den ersten Gastarbeiter Rüsselsheims“ auszuwählen, aktualisiert. In der Begründung des Vorschlags hatte sich der Ausländerbeirat „stellvertretend für alle Gastarbeiter der ersten Generation“ für Kostas Alexandridis ausgesprochen. „Herr Alexandridis zählt aufgrund seiner Biographie zu dieser vorbildlichen Personengruppe, die zu einem Teil der Geschichte Rüsselsheims geworden ist“, formulierte das Gremium in der Vorschlagsbegründung. Die vollständige Vorschlagsbegründung kann in der „Bildergalerie zu den Vorschlägen“ nachgelesen werden. Eine Kurzbiografie zu Kostas Alexandridis steht unter „Geehrte Persönlichkeiten“ zur Verfügung.

 

Sämtliche, bislang nicht gewählten Vorschläge seit Beginn der Kunstaktion, werden bei allen zukünftigen Auswahlverfahren berücksichtigt und wieder in die Beratungen einbezogen. Die einzige Ausnahme bildet der im Jahr 2001 vorgeschlagene Dr. Walter Köbel, der seit dem Jahr 2013 nicht mehr als Vorschlag geführt wird. Erläuterungen hierzu gibt es unter "Weitere Informationen". Die kompletten Richtlinien zur Auswahl von „Leuchtenden Vorbildern“ für das Kunstwerk im Ratssaal der Stadt Rüsselsheim am Main stehen unten zum Download bereit.

 

Weitere Informationen

Link zu Richtlinien zur Auswahl von „Leuchtenden Vorbildern“ für das Kunstwerk im Ratssaal der Stadt Rüsselsheim am Main (PDF)

Link zu Beitrag "Agora der Ideale?" von Professor Wolfgang Schneider (PDF)

Link zu Informationen zum einstmals bestehenden Vorschlag Dr. Walter Köbel (PDF)

Link zu Essay zu Dr. Walter Köbel (PDF)

Link zu Studie zu Dr. Walter Köbel (PDF)

 

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