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Pressemitteilung

Oberbürgermeister Patrick Burghardt zur "Stadtbild"-Debatte

Die Debatte um das sogenannte „Stadtbild“ ist erneut in den Fokus gerückt. Oberbürgermeister Patrick Burghardt spricht sich in einer persönlichen Stellungnahme dafür aus, die Diskussion sachlich und differenziert zu führen und den Blick auf ein respektvolles Zusammenleben zu richten.

„Ein gutes Stadtbild beginnt mit Respekt“

Stellungnahme von Patrick Burghardt, Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim am Main 

Vor einem Jahr hat Bundeskanzler Friedrich Merz mit seiner Äußerung zum „Stadtbild“ eine heftige Debatte ausgelöst. Jetzt hat Ministerpräsident Boris Rhein gefordert, sie fortzusetzen. Ich sage ganz offen: In einem Punkt hat er recht. Probleme verschwinden nicht, wenn man sie verschweigt. Aber ich wünsche mir, dass wir diese Debatte anders führen – ehrlicher, menschlicher und näher an dem, was die Menschen hier bei uns in Rüsselsheim tatsächlich bewegt.

Es geht um ein respektvolles Miteinander

Wenn ich durch unsere Stadt gehe und mit den Menschen spreche, geht es selten primär um die Frage, woher jemand kommt. Ich höre vor allem, dass der Ton in unserer Gesellschaft rauer geworden ist. Dass Rücksicht fehlt. Dass vieles, was uns allen gehört, einfach kaputt gemacht wird. Zerstörte Schultoiletten, beschmierte Haltestellen, verwüstete Spielplätze, Müll, der achtlos liegen bleibt. Lehrkräfte, Busfahrerinnen und Busfahrer, die beleidigt werden.  

Wer hilft, verdient Respekt 

Besonders beschäftigt mich, was unsere Einsatzkräfte erleben. Frauen und Männer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei werden beschimpft, bei ihrer Arbeit behindert und manchmal sogar angegriffen. Viele von ihnen leisten ihren Dienst ehrenamtlich – nach einem langen Arbeitstag, am Wochenende, mitten in der Nacht. Sie lassen alles stehen und liegen, wenn andere Hilfe brauchen. Dass ausgerechnet ihnen mit Verachtung begegnet wird, ist für mich nicht hinnehmbar. Ich möchte, dass unsere Einsatzkräfte wissen: Wir stehen hinter euch. Die Stadt steht hinter euch. Und ich stehe hinter euch. 

Diese Entwicklungen geben Anlass zur Sorge und zeigen, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen müssen. Wer Menschen angreift, die Verantwortung für unsere Gemeinschaft übernehmen, beschädigt unser Zusammenleben. Verbindliche Regeln müssen für alle gelten. Wer mutwillig etwas zerstört, muss dafür einstehen. Denn Vandalismus verursacht nicht nur Schäden, sondern auch Kosten, die letztlich von der Allgemeinheit getragen werden.

Anstand ist keine Frage der Herkunft

Bei aller notwendigen Offenheit dürfen wir die Debatte nicht auf Menschen verengen, die zu uns geflüchtet sind. Fehlender Respekt und Kriminalität haben keine Nationalität. Entscheidend ist, wie Menschen sich verhalten – nicht, woher sie kommen.

Rüsselsheim weiß das besser als viele andere Städte. Die Frauen und Männer, die in den 1960er- und 1970er-Jahren als Gastarbeiter zu uns kamen, haben bei Opel und in vielen anderen Betrieben hart gearbeitet. Sie haben unsere Stadt und unser Land mit aufgebaut. Ihre Kinder und Enkel sind heute unsere Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen, Vereinsmitglieder und Feuerwehrleute. Sie gehören zu uns. Und die allermeisten Menschen in unserer Stadt – ganz gleich, wo ihre Wurzeln liegen – begegnen anderen jeden Tag mit Anstand und Respekt.

Gemeinsam hinschauen statt wegschauen

Respekt und Verantwortungsbewusstsein lernt man früh: zu Hause, in der Kita, in der Schule, im Sportverein und in der Jugendarbeit. Ich habe großen Respekt vor allen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und diese auf ihrem Weg unterstützen: Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte, Trainerinnen und Trainer dürfen mit dieser Aufgabe daher nicht alleinlassen. Gleichzeitig braucht es Konsequenz, wenn Regeln gebrochen und Menschen angegriffen werden. Beides gehört für mich zusammen: eine ausgestreckte Hand und klare Grenzen.

Auch jede und jeder Einzelne kann etwas beitragen: durch das eigene Verhalten, durch Zivilcourage und indem wir nicht einfach wegsehen, wenn etwas schiefläuft. Ich wünsche mir eine offene und ehrliche Debatte, die Probleme klar benennt, ohne Menschen pauschal zu verurteilen. Eine Debatte, in der wir einander wieder zuhören. Denn ein gutes Stadtbild entsteht nicht durch die Frage, woher jemand kommt. Es entsteht dadurch, wie wir miteinander umgehen.

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