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Pressemitteilung

Dr. Julius Simon als neuntes „Leuchtendes Vorbild“ der Stadt Rüsselsheim am Main geehrt

Am vergangenen Dienstag (24. März) fand die Feierstunde zur Ehrung des neuen „Leuchtenden Vorbilds“ Dr. Julius Simon im Ratssaal des Rathauses der Stadt Rüsselsheim am Main statt.

Vollrad Kutscher steht auf einer Leiter und installiert das Porträt im Kunstwerk.
Ratssaal mit Gästen, Chor und der Kunstinstallation im Hintergrund.
Der Oberbürgermeister sowie die vier Teilnehmenden der Gesprächsrunde mit einem Blumenstrauß.

Oberbürgermeister Patrick Burghardt würdigte den ehemaligen Leiter der Immanuel-Kant-Schule als einen Menschen, der in schwierigen Zeiten Standfestigkeit bewiesen hat. „Dr. Julius Simon hat gezeigt, dass Verantwortung im Alltag beginnt. Seine Ehrung heute ist deshalb nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Signal in die Gegenwart“, erklärte Burghardt. Die Laudatio hielt Dr. Franz Horváth, der intensiv zur Biographie des Geehrten geforscht und die Grundlage für die Ehrung geschaffen hat.

In seiner Laudatio warf Horváth einen umfassenden Blick auf die Biographie von Dr. Julius Simon und zeichnete ein vielschichtiges Bild. Simon stammte aus einfachen Verhältnissen und sah in Bildung den entscheidenden Schlüssel für gesellschaftlichen Zusammenhalt, persönliche Entwicklung und sozialen Aufstieg. „Stabile, solide Bildung war für Simon das Mittel, das in unsicheren Zeiten Halt geben konnte“, erläuterte Horváth.

Während der Zeit des Nationalsozialismus bewahrte Simon eine klare ethische Haltung und hielt Abstand zur Ideologie der Nationalsozialisten. Obwohl viele seiner Kollegen Mitglied der NSDAP wurden, trat Simon dieser nicht bei und blieb in seinem Handeln von humanistischen und aufklärerischen Werten geprägt. Gegen Kriegsende gewährte Simon seinem ehemaligen Schüler Dieter Ritzert Schutz, der sich der Wehrmacht entzogen hatte. „Der Barbarei des Nationalsozialismus, von Diktaturen und Unrechtsregimen, können die Menschen nur entkommen, wenn sie sich an ethische Prinzipien, an die aufklärerischen Werte der Toleranz und der Menschenwürde halten, und sich zugleich vergegenwärtigen, dass sie Verantwortung für sich, für ihre Nächsten und für ihre Gemeinschaft übernehmen müssen“, beschrieb Horváth das Credo des Schulleiters.

Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte Simon maßgeblich den demokratischen Wiederaufbau der Schule. Er setzte sich auch dabei weiterhin für Werte wie Gemeinschaftssinn und Menschenwürde ein und orientierte sich dabei stark an der Philosophie Immanuel Kants, nach dem die Schule dann schließlich benannt wurde. „Julius Simon war ein Lehrer, der lebte, was er lehrte. Ein Schulleiter, der stets seine Schule, seine Schüler und sein Kollegium im Blick behielt, diese förderte und im Vorankommen unterstützte. Ein Lokalhistoriker, der die Stadt als historisch gewachsene Entität beachtete. Ein Philosophierender, der die Traditionen der Aufklärung, die Prinzipien der Grundrechte und Menschenwürde in dunklen und weniger dunklen Zeiten hochhielt“, fasste Horváth das Leben von Simon in seiner Laudatio zusammen, „Menschlich bleiben in unmenschlichen Zeiten und darüber hinaus: den Weg dahin zu weisen – können wir von einem Vorbild mehr erwarten?“

Im Rahmen der Feierstunde installierte der Künstler Vollrad Kutscher das Portrait von Dr. Julius Simon in der „Galerie aus Licht“. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es eine Gesprächsrunde von ehemaligen Schülerinnen und Schülern sowie Wegbegleitern von Dr. Julius Simon. Neben Dr. Franz Horváth schilderten Sigrid Roes, Hans-Ulrich Hartwig und Jochen Frickel, wie sie den Schulleiter erlebt haben und wie positiv er sie für ihr Leben geprägt hat.  Als sie zum Beschluss gebeten wurden, Simon mit einem Satz zu beschreiben, fanden sie starke Worte wie die, dass er ein liberaler Mensch gewesen sei und dass er das Credo verfolgte, menschlich zu bleiben in unmenschlichen Zeiten. Er habe für Verlässlichkeit und Ehrlichkeit gestanden und habe auch wichtige Tugenden wie Pflichtbewusstsein und Durchhaltevermögen vermittelt. Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von den Chören „Herrensalon“ und „Cantilena“ der Immanuel-Kant-Schule.

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