Beide Fahrzeuge wurden aus Alters- und Wirtschaftlichkeitsgründen ausgemustert und treten voll fahrbereit den Weg in die Ukraine an. Dort unterstützen sie beim Katastrophenschutz und bei der Brandbekämpfung nahe der Grenze zu Russland.
Da die modernen Nachfolgemodelle in Rüsselsheim durch das Land Hessen gefördert wurden, greifen strikte gesetzliche Vorgaben: Die beiden Altfahrzeuge haben ihre geforderte Laufzeit überschritten und dürfen in Hessen nicht mehr als Feuerwehrfahrzeuge angemeldet oder neu zugelassen werden.
Agneta Becker hatte den Kontakt koordiniert. Sie ist Vereinsmitglied und arbeitet bei der Stadt Kelsterbach in der Hilfe für Geflüchtete. Innerhalb weniger Tage wurde die Übergabe vorbereitet und schon am Morgen nach der Übergabe waren die beiden Fahrzeuge und 40 Tonnen Hilfsgüter auf den Weg in den Nordosten der Ukraine.
Dass die Hilfe dringend benötigt wird, berichteten der ukrainische Konsul Taras Zholubak und der Vereinsvorsitzende Jumas Medoff. Die gesamte Region würde stark beschossen und bombardiert. Zudem arbeiteten die Rettungs- und Hilfskräfte unter schwersten Bedingungen und Angriffen. „Wir danken im Namen der Menschen für die Hilfe und die geleistete Unterstützung“, sagte der Konsul.
Oberbürgermeister Patrick Burghardt bekräftigte: „Seit dem Überfall Russlands stehen wir an der Seite der Ukraine. Auch Kommunen können einen kleinen Beitrag zu mehr Menschlichkeit und Hilfe zum Überleben leisten. Das, was wir in Rüsselsheim tun können, tun wir“.
Die Initiative „Holger & Friends“ leiste ebenfalls wertvolle Hilfe. Die Stadt wolle auch den Verein „Frankfurt for Ukraine“ dabei unterstützen, in Rüsselsheim temporäre Annahmestellen für Spenden zu finden. Benötigt werden unter anderem abgelaufene Erste-Hilfe-Kästen oder Kerzenreste, aus denen sogenannte „Grabenkerzen“ hergestellt werden, die zumindest vorübergehend Licht und Wärme spenden. Sobald hierfür eine Sammelaktion geplant ist, wird die Stadt darüber informieren. Jumas Medoff macht deutlich: „Wir sammeln Dinge, die in Deutschland nicht mehr eingesetzt oder verwendet werden und schenken ihnen in der Ukraine ein zweites Leben.“
Oberbürgermeister Burghardt würdigt Arbeit des Vereins und der Feuerwehr
Die beiden Feuerwehr-Fahrzeuge haben in Rüsselsheim über Jahrzehnte hinweg bewiesen, dass auf sie auch unter extremsten Bedingungen absolut Verlass ist. Der Einsatzleitwagen hat acht Jahre länger als gesetzlich vorgeschrieben treue Dienste geleistet. Burghardt lobte dies als Verdienst der Rüsselsheimer Feuerwehr, die das Material exzellent gepflegt habe. Er ergänzte: „Hier in Hessen ist ihr Dienst unwiderruflich vorbei – aber in der Ukraine werden diese Fahrzeuge zu echten Hoffnungsträgern auf vier Rädern. Sie gehen genau dorthin, wo sie im Angesicht des anhaltenden Krieges dringend gebraucht werden, um Menschenleben zu retten.
Vom Erstangreifer zum Hoffnungsträger
Hinter den beiden Fahrzeugen liegen ereignisreiche Jahre in den Diensten der Rüsselsheimer Bürgerinnen und Bürger. Das HLF 16 (Baujahr 2002) blickt auf eine überproportionale Auslastung zurück. Während Fahrzeuge dieser Klasse bei Freiwilligen Feuerwehren in einer 25-jährigen Dienstzeit durchschnittlich rund 2.000 Einsätze absolvieren, war das Rüsselsheimer HLF als Erstangriffsfahrzeug der hauptberuflichen Kräfte extremen Belastungen ausgesetzt. Spitzenwerte von knapp 800 Einsätzen in einem einzigen Jahr verdeutlichen die enorme Kilometerleistung und den unschätzbaren Wert, den das Fahrzeug für die Sicherheit der Stadt hatte.
Der ebenfalls übergebene Einsatzleitwagen 1 verdankt seinen zweiten Frühling der herausragenden Pflege durch die Rüsselsheimer Einsatzkräfte. In Hessen liegt die reguläre Dienstzeit für diese Fahrzeuge bei 12 Jahren – der ELW 1 hätte demnach bereits 2018 ersetzt werden können. Durch die akribische Instandhaltung der Feuerwehrleute blieb das Fahrzeug jedoch stolze acht Jahre länger im Dienst, bis vor Kurzem der neue Nachfolger offiziell übernommen wurde.




