Ein Baum kann über Jahrtausende hinweg Geschichte speichern. In den Böden der Stadt Rüsselsheim am Main finden sich Spuren ehemaliger Auenwälder konserviert als Mooreichen. Was einst Teil der Landschaft war wird so zu einem materiellen Zeitzeugnis.
Das Kunstprojekt „Taphonomie der Horizontale“ beschäftigt sich mit der Frage, was geschieht, wenn ein lebender Organismus zum Träger von Geschichte wird. Der Begriff Taphonomie bezeichnet die Prozesse, durch die organische Überreste nach dem Tod erhalten, verändert oder zerstört werden. Bei den Mooreichen wird dieser Prozess zu einer Form des Archivs. Ihre Jahresringe bewahren Informationen über Klima, Wachstum und Umwelt.
Lim interessiert sich für die Spuren, die Zeit, Druck und Material im Holz hinterlassen: Risse, Verdichtungen, Verformungen und Linien, die sich über Jahrhunderte und Jahrtausende eingeschrieben haben. Diese Beobachtungen aus der Rüsselsheimer Landschaft werden im Atelier nicht abgebildet, sondern in abstrakte zeichnerische Strukturen übersetzt. Die horizontale Form der gefallenen Bäume trifft auf eine präzise, geometrische Bildsprache. Naturgeschichte und zeitgenössische Kunst begegnen sich in einer Installation, die die Landschaft als Speicher von Zeit und Erinnerung erfahrbar macht.
Als weiteres Highlight hat die Künstlerin bereits vor ihrer Residenz, im Rahmen des Projekts „Kunst am Strom“ einen Stromkasten an der Frankfurter Straße gestaltet. Damit bringt sie ihre Kunst auch sichtbar in den öffentlichen Raum. „Kunst am Strom“ lässt im gesamten Stadtgebiet nach und nach kleine Kunstwerke auf Stromkästen entstehen, finanziert und unterstützt von den Stadtwerken Rüsselsheim.
Die Künstlerin Song Lim lebt und arbeitet in Deutschland. Sie studierte an der Kunsthochschule Mainz und der Seoul National University. In ihrer künstlerischen Praxis verbindet sie Zeichnung, Material und Landschaft. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und mehrfach ausgezeichnet.
Der freiraum f3 an der Frankfurter Straße 3 ist während der Anwesenheit der Künstlerin geöffnet. Zusätzlich besteht eine feste, reguläre Besuchsmöglichkeit jeden Sonntag von 14:00 bis 16:00 Uhr.





