FAQs zum Expertenrat Haushalt
Was ist der „Expertenrat Haushalt Rüsselsheim am Main“?
Der Expertenrat ist ein Gremium, das von Oberbürgermeister und Kämmerer Patrick Burghardt einberufen wurde, um die Haushaltslage der Stadt Rüsselsheim am Main unabhängig zu analysieren und konkrete Konsolidierungsvorschläge für die Haushaltsberatungen 2027 zu erarbeiten.
Warum ist ein Expertenrat notwendig?
Die Stadt steht vor strukturellen finanziellen Herausforderungen, die sich nicht kurzfristig lösen lassen.
Dazu gehören unter anderem:
- ein dauerhaft hohes Haushaltsdefizit,
- stark gestiegene Sozial- und Jugendhilfekosten,
- vergleichsweise geringe Gewerbesteuereinnahmen,
- sinkende Einnahmen aus der Einkommensteuer,
- vermehrte Aufgabenübertragungen von Bund und Land ohne hinreichende Gegenfinanzierung.
Allein die Transferaufwendungen im Jugendhilfebereich haben sich von rund 10 Millionen Euro im Jahr 2017 auf etwa 30 Millionen Euro im Jahr 2026 verdreifacht.
Was ist das Ziel des Expertenrats?
Der Expertenrat entwickelt eigenständige Empfehlungen zur Haushaltskonsolidierung. Diese bilden eine fachliche Grundlage für die weiteren Beratungen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung.
Oberbürgermeister Patrick Burghardt erhofft sich vom Expertenrat neue Perspektiven und Vorschläge, die im politischen Alltag nur schwer diskutiert werden können. Durch die fachliche Vorbereitung, die Einbindung des Landes und einen transparenten Prozess sollen die Empfehlungen auf eine möglichst breite Akzeptanz stoßen und eine tragfähige Grundlage für die politischen Entscheidungen bilden.
Muss jetzt mit Leistungskürzungen gerechnet werden?
Welche Maßnahmen empfohlen werden, ist offen. Ziel des Expertenrats ist es, den Haushalt langfristig zu stabilisieren. Dabei werden sowohl Einsparpotenziale als auch strukturelle Verbesserungen betrachtet. Über konkrete Maßnahmen entscheidet die Stadtverordnetenversammlung.
Wer gehört dem Expertenrat an?
Dem Expertenrat sollen unabhängige Fachleute angehören. Die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung konnten jeweils eine geeignete Expertin oder einen geeigneten Experten benennen. Kleineren Fraktionen wurde Unterstützung bei der Vorauswahl angeboten.
Darüber hinaus wirkt je ein Vertreter des Landesrechnungshofs und des Hessischen Innenministeriums mit. Den Vorsitz hat Oberbürgermeister Patrick Burghardt. Außerdem gehören die beiden hauptamtlichen Dezernenten, Bürgermeister Murat Karakaya und Stadtrat Simon Valerius, dem Expertenrat an.
Die Besetzung des Expertenrates im Einzelnen:
| Funktion | Vertretung / Personen |
| Vorsitz | Patrick Burghardt Oberbürgermeister und Kämmerer der Stadt Rüsselsheim am Main |
| Mitglieder seitens des Magistrats | Murat Karakaya (Bürgermeister) Simon Valerius (Stadtrat) |
| Vertreter des Hessischen Ministeriums des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz | Matthias Graf Ehemaliger Leiter der Kommunalabteilung im Hessischen Innenministerium, davor Regierungsvizepräsident im Regierungspräsidium Darmstadt |
| Vertreter des Hessischen Rechnungshofs | Dr. Marc Gnädinger Leiter des Grundsatzreferates bei der Überörtlichen Prüfung kommunaler Körperschaften in Hessen |
| Sachverständiger der Fraktion CDU/FDP | Dr. Ulrich Keilmann bis September 2026 Leiter der Überörtlichen Prüfung kommunaler Körperschaften beim Hessischen Rechnungshof, Lehrbeauftragter an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer |
| Sachverständiger der Fraktion SPD | Prof. Dr. Thomas Heimer Professor für Innovationsmanagement und Projektmanagement (Hochschule RheinMain) Honorarprofessor (Frankfurt School of Finance and Management) |
| Sachverständiger der Fraktion DIE GRÜNEN/Linke.OL | Horst Burghardt Industriekaufmann, Verwaltungsangestellter, Bürgermeister a.D. Friedrichsdorf, Abgeordneter des Hessischen Landtags |
| Sachverständiger der Fraktion AfD | Günter Zabel Diplom-Mathematiker, Master of Law, MA Ökonomie & Management |
| Sachverständiger der Fraktion WsR | Jan Boese Unternehmensinhaber MediFit Rüsselsheim GmbH & Co. KG Präsident Gewerbeverein 1888 Rüsselsheim e.V. |
| Sachverständiger der Fraktion BIS/Abi | Younes Quebdani Referent im Bereich Gesundheitswesen |
| Von der Verwaltung benannter Sachverständiger |
Dr. Thorsten Dietrich |
| Geschäftsstelle | Stadtkämmerei Rüsselsheim am Main |
Wie arbeitet der Expertenrat?
Geplant sind regelmäßige Sitzungen – voraussichtlich einmal im Monat. Der Expertenrat soll Vorschläge entwickeln und möglichst breite Zustimmung für seine Empfehlungen erreichen. Die erste Sitzung findet voraussichtlich im August 2026 statt.
Welche Aufgaben hat der Expertenrat?
Der Expertenrat soll:
- die Ertrags- und Aufwandsstruktur des Ergebnis- und Finanzhaushalts analysieren,
- strukturelle Einsparpotenziale in allen Produktbereichen sowie bei den städtischen Beteiligungen identifizieren,
- eine Aufgabenkritik vornehmen und dabei zwischen Pflicht-, Weisungs- und freiwilligen Aufgaben unterscheiden sowie freiwillige Leistungen bewerten,
- Organisation, Verwaltungsverfahren und Digitalisierung auf Optimierungsmöglichkeiten prüfen,
- Möglichkeiten für Ertragsverbesserungen untersuchen, einschließlich der Steuer- und Gebührenpolitik,
- einen mehrjährigen Konsolidierungspfad mit klar bezifferten Maßnahmen erarbeiten,
- abschließend einen Bericht mit priorisierten Handlungsempfehlungen vorlegen.
Das Ziel dahinter ist, auf dieser Grundlage einen genehmigungsfähigen Haushalt 2027 und darüber hinaus eine nachhaltige Konsolidierungsperspektive zu schaffen.
Ersetzt der Expertenrat die Politik?
Nein. Der Expertenrat erarbeitet Empfehlungen. Die Entscheidungen über den Haushalt und mögliche Sparmaßnahmen treffen weiterhin ausschließlich die Stadtverordnetenversammlung.
Warum wurde nicht einfach die Arbeitsgruppe Haushalt fortgeführt?
Die bisherige Arbeitsgruppe Haushalt mit politischen Vertreterinnen und Vertretern hat nach Einschätzung der Stadt nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt. Mit dem Expertenrat soll deshalb ein neuer Ansatz verfolgt werden, der stärker auf fachliche Expertise und unabhängige Empfehlungen setzt.
Die Arbeitsgruppe Haushalt bleibt dennoch bestehen. Sie soll weiterhin über den aktuellen Stand informiert werden und sich insbesondere mit den langfristigen Strukturen des Haushalts beschäftigen.
Werden Bürgerinnen und Bürger beteiligt?
Ja. Die Stadt plant einen transparenten Prozess – unter anderem mit einer Bürgerversammlung, bei der sich Bürgerinnen und Bürger informieren und einbringen können. Außerdem finden sich Informationen auf der städtischen Homepage.
Wann können Bürgerinnen und Bürger mit ersten Ergebnissen rechnen?
In 2026 analysiert der Expertenrat die Haushaltslage in Arbeitsgruppen und erarbeitet Konsolidierungsvorschläge, die dann in einem Abschlussbericht präsentiert werden. Anschließend prüft der Magistrat den Bericht, fasst die Empfehlungen in einem Konsolidierungsbericht mit konkreten Beschlussvorschlägen zusammen, und die Stadtverordnetenversammlung entscheidet im Frühjahr 2027 über die Maßnahmen, die dann in den Haushaltsentwurf 2027 und die mittelfristige Finanzplanung einfließen.
Gibt es Erfahrungswerte von Städten, die einen ähnlichen Weg gegangen sind?
Ja, die Stadt Baden-Baden setzte im vergangenen Jahr auf einen Expertenrat. Dieser Fall war der Impulsgeber für die Idee in Rüsselsheim. Allerdings ist das Verfahren ein anderes im Vergleich zu Baden-Baden. Die Stadt Rüsselsheim am Main schlägt den Weg gemeinsam mit der zuständigen Aufsichtsbehörde ein und möchte in enger Abstimmung Möglichkeiten für eine langfristige Haushaltskonsolidierung identifizieren.
Was passiert, wenn der Expertenrat zu keinem Ergebnis kommt?
Das erklärte Ziel ist eine dauerhafte Konsolidierung des Haushaltes. Hierfür wird der Expertenrat Empfehlungen ausarbeiten. Von diesem Weg sind wir überzeugt. Die abschließenden Entscheidungen über den Haushalt und mögliche Sparmaßnahmen trifft dann die Stadtverordnetenversammlung.
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